Nachrichten Münster
Erinnerung an 25 000 Verschleppte

Montag, 19.07.2010, 19:07 Uhr

Münster - Münster gehörte im Jahr 2000 zu den 13 kommunalen Gründungsmitgliedern des Deutschen Riga-Komitees. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Komitees besuchten jetzt Repräsentanten von 24 Städten die lettische Hauptstadt, darunter aus Münster Stadtrat Dr. Wolf Heinrichs und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winni Nachtwei .

Im Riga-Komitee wirken inzwischen 38 deutsche Städte, aus denen 1941/1942 jüdische Menschen nach Riga deportiert worden waren, die Stadt Wien sowie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen. Aus Westfalen, von wo in zwei Transporten aus Münster/Osnabrück/Bielefeld und Dortmund etwa 2000 Menschen verschleppt wurden, sind auch Bielefeld, Dortmund, Steinfurt, Warendorf, Paderborn, Billerbeck, Vreden, Coesfeld, Recklinghausen, Gütersloh, Haltern und Marl Mitglieder des Komitees, heißt es in einer Pressemitteilung.

Aufgabe des Zusammenschlusses ist es, die über Jahrzehnte verschüttete Erinnerung an die etwa 25 000 nach Riga Verschleppten wachzuhalten, von denen die allermeisten in Riga ermordet wurden - durch die Haftbedingungen und durch Massenerschießungen im Wald von Bikernieki. Die Delegation suchte mehrere Orte der Judenverfolgung durch die Nazis auf: die ehemalige Große Choral Synagoge, in der vier Tage nach dem deutschen Einmarsch in Riga mehrere hundert Menschen verbrannt worden waren; den Alten Jüdischen Friedhof an der Ecke, wo im früheren „Reichsjudenghetto“ die Bielefelder und Düsseldorfer Straße zusammentrafen; das Wäldchen von Rumbula, wo am 30. November und 8. Dezember NS-Einheiten mehr als 28 000 Rigenser Juden ermordeten, um „Platz zu schaffen“ für die angekündigten Transporte aus dem Reich. Winni Nachtwei, der 1989 erstmalig in Riga auf die Spuren der Verschleppten gestoßen war, schilderte den 70 Delegationsmitgliedern eindringlich die Geschichte dieser Orte. Im Wald von Bikernieki traf die Delegation zu einer Gedenkstunde mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde, des lettischen Staates, der Stadt Riga und mit letzten Ghetto-Überlebenden zusammen.

Hier erschossen von 1941 bis 1944 deutsche Sicherheitspolizisten und ihre einheimischen Helfer mehr als 35 000 Menschen: zum größeren Teil jüdische Frauen und Männer, Kinder und Greise, aber auch politische Häftlinge, geistig Behinderte und sowjetische Kriegsgefangene. Seit 2001 befindet sich hier eine würdige Gedenkstätte, die mit Hilfe des Volksbundes, des Auswärtigen Amtes und der Städte des Riga-Komitees errichtet werden konnte und die von deutschen und lettischen Jugendlichen des Volksbund-Workcamps mitgepflegt wird.

Die Jugendlichen verlasen die Namen der Deportierten aus den deutschen Städten, die zuletzt dem Riga-Komitee beitraten. Für die Delegation hielt die Gedenkansprache Winni Nachtwei. Er erinnerte an den Sommer 1941 in Riga: Als die Sowjets am 14. Juni 15 000 Menschen nach Sibirien verschleppten. Als nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni die sowjetische Geheimpolizei in den lettischen Gefängnissen mehrere hundert Menschen ermordete. Als nach dem deutschen Einmarsch in Riga am 1. Juli mehr als 6000 jüdische Menschen und mutmaßliche Kommunisten ermordet wurden. Der Münsteraner erinnerte an seinen ersten Besuch hier auf den Tag genau vor 21 Jahren, als die 55 Massengräber von Bikernieki noch ein verlorener und vergessener Ort waren.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/285961?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696337%2F
Bürgerinitiative will alternativen JVA-Standort
Unterstützer der Bürgerinitiative  vor einer Baumallee, die für die neue JVA in Wolbeck gefällt werden müsste.
Nachrichten-Ticker