Di., 06.07.2010

Nachrichten Münster Tödlicher Unfall vor Gericht - Verfahren gegen Geldbuße eingestellt

Münster - Es war ein grauenvoller Verkehrsunfall , der sich vor knapp einem Jahr auf der Kreuzung Mersmannstiege/ Weseler Straße ereignete. Kurz vor 18 Uhr wurde ein zwölf Jahre alter Junge aus Mecklenbeck - der mit seinem Fahrrad unterwegs war und bei grüner Ampel abbog - von einem Sattelzug erfasst und tödlich verletzt. Der Junge, der einen Helm aufhatte, wurde von der Stoßstange des Sattelaufliegers erwischt, zu Boden geschleudert und vom linken Vorderrad des Lastwagens überrollt. Er hatte keine Chance und erlag nur kurze Zeit nach dem Unfall seinen schweren inneren Verletzungen. Am Dienstag musste sich der 57-jährige Berufskraftfahrer aus Bramsche vor dem Schöffengericht Münster wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Immer wieder betonte der aus Schottland stammende Angeklagte, dass er vor dem Abbiegen mehrfach in die Spiegel geschaut, aber den Jungen nicht gesehen habe. „Der muss ganz dicht vor meinem Sattelzug hergefahren sein“, erklärte der 57-Jährige. Er sei oft in Münster gewesen und kenne die Probleme. „Ich weiß, die Radfahrer hier verhalten sich nicht immer so, dass wir LKW-Fahrer ohne Schwierigkeiten durch die Stadt kommen. Ich schaute mehrmals in den Spiegel, habe aber nichts gesehen. Erst durch ein dumpfes Geräusch wurde ich aufmerksam und stoppte den Laster. Ich dachte, ich hätte ein Wahlplakat erwischt“. Der Angeklagte zeigte Reue. Das Geschehen tut ihm leid, aber er habe sich nicht bei den Angehörigen entschuldigen können. Das Gericht hörte zwei Zeugen und einen Unfall-Sachverständigen an. Der Sachverständige legte in einem ausführlichen Gutachten die damalige Situation dar. Dabei ging es um die Beschädigungen an den Unfallfahrzeugen, um geschätzte Geschwindigkeiten des Sattelzuges, des Radfahrers und die Grünphasen der Ampeln, um zurückgelegte Meter und Reaktionssekunden. Man habe die Unfallsituation mit dem Lastwagen und dem Rad nachgestellt. „Der seitliche Bereich ist erkennbar, aber es gibt trotz acht Spiegeln am Wagen einen toten Winkel. Nur mit einer zusätzlichen Kamera im Wagen, ist dieser völlig auszuschalten“, erklärte der Gutachter. Die Staatsanwältin meinte, dass man Zweifel haben muss, bei dem Angeklagten eine Fahrlässigkeit festzustellen. Er sei kein Verkehrsrowdy. Sie habe keine Bedenken das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 1700 Euro vorläufig einzustellen. Das Gericht folgte mit dem Urteil: Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße in Höhe von 1500 Euro, zahlbar an den „Verein für Herzenswünsche“, vorläufig eingestellt. Der Vorsitzende betonte in seiner Urteilsbegründung, dass an die Verkehrsteilnehmer, vor allem Lastwagenfahrer besondere Ansprüche in dynamischen Situationen gestellt werden. Trotz der acht Spiegel habe sich der Radfahrer im toten Winkel befunden. Auch sei der Angeklagte strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten.

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