Di., 21.09.2010

Nachrichten Münster Lernen in der Stadtbücherei

Von Klaus Baumeister

Münster - Die 20-jährige Veronika studiert Jura, ihre 18-jährige Freundin, die ebenfalls Veronika heißt, bereitet sich als Schülerin auf eine Spanisch-Klausur vor. Zusammen sitzen sie gerade - umgeben von Schreibblöcken und Büchern - in der Stadtbücherei . „Wir haben uns hier zum Lernen verabredet“, sagen sie mit einer Selbstverständlichkeit, als sei die Bücherei der beste Ort zum Pauken.

Die beiden Veronikas stehen für einen Trend, den die Büchereileiterin Monika Raschen in der großen Bibliothek am Alten Steinweg seit Jahren registriert, und den sie so skizziert: „Weniger Bücherregale, mehr Schreibtische“. Die Stadtbücherei werde immer mehr zu „einem außerschulischen und außeruniversitären Lernort“.

Studentin Veronika kann das nur bestätigen: „In der Universitäts- und Landesbibliothek gilt ein striktes Sprechverbot, da ist die Stadtbücherei eine schöne Alternative“. Für ihre Freundin zählt noch ein weiterer Grund: „Die Bücherei liegt sehr zentral und ist damit ideal für Verabredungen.“

Dass Bücher-Ausleihen längst nicht mehr die alleinige Aufgabe einer Bücherei darstellen, weiß Rasche schon lange. Gleichwohl hat „der dramatische Wandel im Nutzerverhalten“ auch sie überrascht. Noch vor wenigen Jahren hätte sie die These gewagt, dass die 13 Computer-Arbeitsplätze in der Bücherei wieder verschwinden, wenn jeder Privathaushalt erst einmal einen Internet-Anschluss habe.

Aber das Gegenteil sei eingetreten, so die Büchereileiterin. Immer mehr Schüler- und Studentengruppen kommen in die Bücherei, um Referate und Hausarbeiten zu erarbeiten. „Online-Recherche ist dabei ganz wichtig“, wodurch sich laut Rasche auch die Arbeit der Bücherei-Mitarbeiter verändert hat: „Manchmal werden sie genauso oft nach Internet-Adresse wie nach Büchern gefragt.“

Um den Komfort für Lernende zu steigern, hat die Bücherei jetzt WLan installiert. Der Vorteil: Bücherei-Nutzer können ihr privates Laptop mitbringen und dann im Internet surfen.

Speziell der Umgang mit Sachbüchern hat sich nach den Beobachtungen der Bibliothekarin verändert. „Es wird nicht mehr in der Bücherei gestöbert, sondern am Computer .“ Die Folge: Hohe Zugriffszahlen beim Online-Katalog der Bücherei, zugleich aber sinkende Ausleihzahlen. „Früher haben sich die jungen Menschen fünf Bücher ausgeliehen, in der Hoffnung, dass sie zwei für ihre Hausarbeit benötigen. Heute wissen sie schon beim Betreten der Bibliothek, welche beiden es sind.“

Da Gruppenarbeit und selbstständiges Lernen in den Bildungsgängen an Bedeutung gewinnen wird, rechnet Monika Rasche mit wachsenden Schüler- und Studentenströmen. Büchereien hingegen, „die jede Ecke mit Medien zustellen, haben keine Zukunft.“

Auch Studentin Veronika hat ganz konkrete Vorstellungen: „Ich wünsche mir in Münster mehr öffentliche Orte, an denen man ungestört lernen kann.“

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