Mi., 15.09.2010

Nachrichten Münster Was ist denn ein Zoo ohne Elefanten?

Von Constanze v. Wrangel

Münster - Hauptsache Elefanten. Für viele Zoobesucher - und gerade für Kinder - ist die öffentliche Fütterung der Dickhäuter der Höhepunkt eines jeden Zoobesuchs. Die Nachricht, dass sich der Zoo von seinen vier geschlechtsreifen Elefanten trennt und nur noch drei hochbetagte Tiere behält, sorgt deshalb nicht gerade für Jubelstimmung.

Ursula Kölling bringt es am deutlichsten auf den Punkt. „Das kann ja wohl nicht wahr sein“, sagt die 80-jährige Tierfreundin, „Elefanten gehören doch zum Standard eines vernünftigen Zoos!“ Wenn der Allwetterzoo den Anspruch habe, zu den führenden Tiergärten Deutschlands zu gehören, könne er sich mit dieser Entscheidung nur blamieren: „Schauen Sie sich die Elefantenanlagen in vergleichbaren Zoos an: Die erweitern alle.“

Entsprechend verhalten sind die Reaktionen der Zoobesucher, die sich um 16 Uhr zur Elefantenfütterung einfinden. „Für die Kinder sind gerade die Elefanten das Wichtigste“, sagt beispielsweise Julia Klempert. „Aber wenn sie hier nicht artgerecht gehalten werden können, ist es okay, dass sie in einen anderen Zoo kommen.“

Dass dem Zoo die Mittel fehlen, den Elefanten eine angemessen große Anlage mit Badestelle zu bauen, hat den Ausschlag für die Entscheidung gegeben (WN, 11.9.). Rund 7,5 Millionen Euro würde ein solches Elefantenhaus kosten - machbar, wenn der Preis jeder Eintrittskarte um 7,50 Euro angehoben würde. Aber das will offenbar auch niemand, der Zoo ist teuer genug. „Höhere Eintrittspreise würde ich im Zuge von Umbaumaßnahmen nicht akzeptieren“, sagt Julia Klempert.

Jahrzehntelang wurden in Münster Elefanten gehalten - war das nur Tierquälerei? „Ich glaube, dass es den Tieren hier gut geht. Hier haben sie eine optimale Versorgung. Deswegen finde ich es in Ordnung, die Elefanten hier zu halten“, meint etwa Elke Zuske. Sie schränkt aber ein: „Vielleicht sollte man einige Umbaumaßnahmen vornehmen.“

Ganz anders sieht die Stimmung in Sachen Delfinarium aus: Das Ende der Delfinhaltung in Münster stößt nicht nur auf Verständnis, sondern überwiegend sogar auf Zustimmung. „Ich finde es richtig so“, sagt eine Besucherin, die nicht genannt werden möchte. „Wir waren heute zum ersten Mal hier und haben uns sehr über das Delfinarium geärgert. Delfinarien sind generell überflüssig.“

Das finden erst recht jene Organisationen, die schon länger gegen die ihrer Meinung nach unzeitgemäßen Delfinarien Stellung beziehen. Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) aus Hagen und die Organisation „ProWal“ verbuchen die Entscheidung des Zoo-Aufsichtsrates, die Delfinhaltung Ende 2012 aufzugeben, in einer gemeinsamen Presseerklärung als persönlichen Erfolg.

„Wir bedanken uns beim Zoo-Chef für seine Einsicht und bei der Bevölkerung für die zahlreiche Unterstützung unserer Forderungen“, sagt WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller. Man werde genau im Blick behalten, was aus den vier münsterischen Delfinen wird - eine Auswilderung komme nicht infrage, weil sich die Tiere nicht mehr selbst ernähren können. „Wir hoffen, dass die Delfine in einem Freiluftgehege ihr Gnadenbrot bekommen.“ Die Organisation „The Black Fish“ geht noch einen Schritt weiter: Sie bemängelt auch, dass im Delfinarium künftig Robben „für Unterhaltungszwecke“ gehalten werden sollen.

Sparsam fallen übrigens die Stellungnahmen von öffentlicher Seite aus. Nach Auskunft von Zoo-Chef Jörg Adler hat sich bislang nur ein einziges Ratsmitglied bei ihm gemeldet - mit der Bitte um nähere Informationen.

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