Mi., 24.11.2010

Kultur Münster Fabrikhalle wird Kunsthalle

Von Gerhard H. Kock

Münster - Die Putzfrau wischt noch den Boden - könnte man meinen. Aber auch sie ist Kunst. Anke Gollubs weißes Reinemache-Wesen ist fast ein Symbol für das neue Haus der Künstlergemeinschaft „Die Schanze“ - ein Haus auf Zeit. Aber immerhin. Bildhauer Stefan Rosendahl hat sein Atelier gleich um die Ecke, und so kam er mit Eigentümer Harald Nettesheim ins Gespräch. Dessen Firma ist von der Wienburgstraße zur Loddenheide gezogen, und der alte Standort steht zum Verkauf. Noch ist kein Käufer gefunden, und so freut sich eine der ältesten Künstlergemeinschaften Deutschlands über ein neues festes Domizil.

Zur Verfügung stehen das Gelände, Haus und die Firma den Künstlern zunächst bis Mitte Dezember für die erste Ausstellung. „Aber vielleicht auch länger“, hoffen Rosendahl und Klaus Tesching. Der Kanzler der Schanze überlegt schon, einen Kunst-Flohmarkt zu organisieren. Die ehemaligen Produktionsräumen bieten jedenfalls faszinierende Möglichkeiten und ein reizvolles Umfeld für die Kunst.

Es riecht noch ein bisschen nach Seife. So duftete es allerdings schon, bevor die Künstler mit ihrem Großreinemachen begannen. Abgesehen von der Kälte ist hier aus einer Fabrik- eine respektable Kunsthalle geworden. Zwischen Warnschildern „Vorsicht ätzend“ und Brandschutzvorschriften nimmt die Kunst den Dialog mit dem Raum auf. Sehr schön zum Beispiel bei Rosendahls gigantischen Knien, die hier in der Tat wie Säulen wirken.

Die Tanzszene „1980“ von Pina Bausch des Fotografen Matthias Zölle bekommt mit ihrem strumpfgesichtigen Killer in der Industrieumgebung einen zusätzlichen kriminalistischen Touch. Tassilo Sturms Installation aus Fässern und Zelt-Insel erhält als Symbol des in der Moderne vereinzelten Individuums in den niedrigen Räumen eine bedrückende Dimension.

Und erst die Bilder: Dieter van Offerns fast fotografische Gemälde von Architektur wirken so glatt, kühl und realistisch wie sie sind an den blanken Mauern und brüchigen Wandoberflächen, als wären sie dafür gemalt. Faszinierend. Miriam von Wiedings großformatiges Farbfeld, aus dem sich Gesichter und Geschöpfe schälen, nimmt Verbindungen zu den teils verwitterten Strukturen seines Umfelds auf. Und die formal aufeinander Bezug nehmenden rostigen Stahlwürfel von Thomas Unger scheinen das Industrie-Sujet zu umspielen.

» Die Ausstellung wird am Donnerstag (25. November) um 19 Uhr in der Wienburgstraße 195, eröffnet und bis zum 19. Dezember zu sehen sein. Öffnungszeiten sind freitags und samstags von 16 bis 20 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr, ferner nach Vereinbarung: ' 0172 / 403 19 70.

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