Fr., 19.11.2010

Nachrichten Münster "Dunkle Seiten des Netzes" - Tagung zu Mobbing im Internet

Von Günter Benning

Münster - Ausgrenzung, Aggressionen, Anmache - das hat es unter Jugendlichen immer gegeben. Doch mit dem Internet wird so mancher persönliche Konflikt auf dem weltweiten Marktplatz verhandelt. Michael Geringhoff , Leiter des JIB in Münster: „Das Mobbing heute hat eine andere Form angenommen als früher. Beleidigung sind überall im Netz zu finden. Und zwar dauerhaft.“

Wie groß das Problem ist, machte am Donnerstag eine Fachtagung deutlich, die in den Räumen der Stadtwerke stattfand. 150 Lehrer und Sozialarbeiter ließen sich von Fachleuten über Cybermobbing informieren. Untertitel: „Altes Gespenst in neuem Gewand“.

Mobbing im Netz, das könne schon mal dazu führen, dass Schüler sich nicht mehr in die Schule trauen. Weil jeder die üblen Einträge über sie in Chaträumen kennt. Oder weil im virtuellen Internet ganz reale Prügel angedroht wurden. Es werden Jugendliche beleidigt, Gerüchte verbreitet, gefälschte Fotos verbreitet, weiß Geringhoff.

Für Katja Knierim vom Portal „Jugendschutz.net“ sind die Gefahren im Internet Alltagsgeschäft. Abgesehen vom Mobbing würden Jugendliche häufig mit Inhalten konfrontiert, die für sie traumatisierend oder eklig sind. „Das ist Pornografie, Nazi-Propaganda oder die Verherrlichung von selbstgefährdendem Verhalten, wie Magersucht oder Suizid.“

Im Visier der Kritik stehen dabei häufig Internet-Portale wie Facebook , Schüler- oder StudiVZ, auf deren Seiten Jugendliche nicht selten auch intime Informationen über sich preisgeben. „Für uns ist das ein großes Problem“, sagte gestern Ute Nauman vom SchülerVZ, „das wir sehr ernst nehmen.“ Rund um die Uhr kümmerten sich 130 Mitarbeiter im „Customer Care“ um alle Meldungen, die von den Nutzern kommen. Nicht immer allerdings sei es einfach, Angreifer festzustellen: „Das kommt immer darauf an, wie genau uns der Betroffene seinen Fall mitteilt.“

Nicht ganz einfach ist es auch, die eigenen Spuren im Netz zu entfernen. „Was sie selbst angelegt haben“, so Naumann, „können sie komplett von unseren Servern löschen.“ Eine Garantie dagegen, dass andere Benutzer Inhalte kopieren und weitergeben, gebe es nicht.

Häufig komme es vor, dass Nutzer alte Einträge von sich löschen lassen wollen. Schließlich ist so manchem 20-Jährigen peinlich, was er mit 16 gechattet hat.

Erwachsene, kritisiert Torsten Porsch von der Uni Münster, stünden den neuen Medien häufig kritisch gegenüber: „Sie können sie aber oft auch gar nicht nutzen.“ Als Abwehr der dunklen Seiten des Netzes gebe es zum Beispiel Schutz-Software. „Wir versuchen allerdings, Prävention mit Schülern und Lehrern zu machen“, sagte Porsch, „und es muss ausreichende Angebote für Betroffene geben.“ Auch Michael Geringhoff setzt auf Vorort-Einsatz und empfiehlt Gemobbten: „Verstöße melden...“

Leserkommentare

Google-Anzeigen

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/150073?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696328%2F