„Ich kann so nicht arbeiten!“
Di., 07.12.2010
Schaulaufen der Münster-Prominenz im Film „Das Cast-Ding“ / Das „Schwarze Schaf“ fliegt in die Luft
Tillmann Rademacher als „Der Regisseur“ und Konrad Haller als „Der Produzent“ geben dem Affen in ihrem Film wahre Zuckerberge.
Münster -
Deutschland ist im Casting-Wahn. Auf sämtlichen Kanälen wird alles gesucht, was die Welt nicht braucht – vom Topmodel bis zum Superstar. „Ich caste, also bin ich“ heißt das Motto talentfreier Träumer, die sich den Fernseh-Millionen zum Fraß vorwerfen. Warum sollte es im beschaulichen Münster anders sein?
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Was hier aber unter der Disco-Kugel im „Schwarzen Schaf“ gecastet wird, ist ein „richtiger“ Darsteller für eine richtige Filmrolle – oder? Wenn man die zwei Koks-Nasen sieht, die sich da mit sadistischem Grinsen ans Werk machen, kriegt man Zweifel. Tillmann Rademacher („Der Regisseur“) und Konrad Haller („Der Produzent“) sitzen zynisch feixend am Tisch und lassen die Freakshow der prominenten Münster-Köppe an sich vorbeiziehen. Links die Fluppe, rechts der Schnaps, mittig die Koks-Linie. Am Schluss quillt der Klassiker aus Hallers Mund, den jeder Mime fürchtet: „Danke, wir melden uns.“
Tillmann Rademacher hat im echten Leben „Das Cast-Ding“ als Produzent, Autor und Regisseur gestemmt und begrüßte am Mittwoch im Cineplex den vollen Saal 2 – alles Freunde und Münsteraner, die auf die versammelten Lokalmatadore neugierig waren. Diese Münster-Prominenz spielt lustvoll einen Reigen irrer Möchtegerns. Am Ende rollen Köpfe, und die Spezial-Effekte (Michael Spengler) lassen das Schwarze Schaf quer über den Alten Fischmarkt explodieren – eine traurige Prophetie des Streifens. Da sage noch einer, das Leben würde keine Filme imitieren . . .
„Ist doch keine Arbeit so was. Alle schwul, diese Filmfuzzis!“, nölt der Buletten mampfende Malocher, der den Lach- und Ekel-Pegel ruckzuck zum Anschlag treibt. Fette Rocker, scharfe Tussis – Rademacher ist kein Feingeist, er gibt dem Affen Zuckerberge. Tarantino meets Helge Schneider.
Mehr Münster-Köpfe, mehr Spaß? Ist schon lustig, wenn Gabriele Brüning als Schnapsdrossel herumtorkelt oder Christoph Tiemann als irrer Pizzabote die Putzfrau auf dem Klo beglückt („Du Regisseur? Krieg ich Rolle?“). Schade, dass das Potenzial eines Carsten Bender kaum genutzt wird, der einen soften Kinski-Verschnitt hinlegt. Auch Edelmime Markus von Hagen hätte die „Fallhöhe“ für mehr Dialogwitz geboten. Aber Pitt Hartmann und Andy Strauß dürfen auf die Sahne hauen.
Irgendwann sagt „Produzent“ Haller den Klassiker schlechthin: „Ich kann so nicht arbeiten!“ Recht hat er – aber da ist die Benzinspur längst gelegt. Armes Schwarzes Schaf. Und im Abspann tönt das letzte „Määäh“ . . .
| www.das-cast-ding.de
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