Lewe bekommt die Peitsche
„Fidele Bierkutscher“ zeichnen Münsters Oberbürgermeister und den Präsidenten aus Losser aus

Münster -

Dass ein Oberbürgermeister die Peitsche bekommt, mag sich ein Schelm durchaus still und heimlich wünschen – die „Fidelen Bierkutscher“ ließen es gestern Abend im Mühlenhof tatsächlich wahr werden. Sie zeichneten Markus Lewe mit dem „Nobelpreis der Karnevalisten“ (Präsident Heinz Kenter) aus. Zudem bekam Jos in het Veld, Präsident der mit Münster befreundeten Karnevalsgesellschaft „Gaffelaöskes“ aus Losser, die Goldene Peitsche verliehen.

Mittwoch, 29.12.2010, 14:12 Uhr

Die „Fidelen Bierkutscher“ vergaben vor gut 200 karnevalistischen Gästen aus über 30 Gesellschaften – unter ihnen Prinz Marcus I. (Janotta) und das Stadtjugendprinzenpaar, das prompt die beiden neuen Peitschenträger in Holzschuhe steckte, die auf Skiern befestigt waren – die traditionsreichen Anstecker zum 39. Mal. Übrigens noch im Zeichen der Iserlohner Brauerei , die ihr Fassbiergeschäft an Krombacher verkauft hat. Vertreter beider Brauereien steckten nach dem offiziellen Teil mit den Bierkutschern die Köpfe wohl wegen des künftigen Sponsorings zusammen. Präsident Heinz Kenter ernannte zudem Peter Hermes zum Ehrenbierkutscher, bevor die Goldenen Peitschen verliehen wurden.

Eine Bank waren die Laudatoren: Enrico Kahl, Vorstandschef der Sparda Bank, und der frühere West-LB-Banker Rolf Schröder – beide Träger der Goldenen Peitsche 2011 – fanden warme und witzige Worte für ihre Nachfolger. Kahl reimte in durchaus nachdenklichen Sätzen über Lewes Spannungsfeld zwischen dem politischen Handeln und „dem Haifischbecken namens öffentlicher Meinung“. Er gab dem Rathauschef den Rat, „die Haie gelegentlich zu verhauen“ – vielleicht sogar im Rat. Denn: „Zur rechten Zeit ein Peitschenknall hilft auf jeden Fall.“ Ob es künftig im Rathaus soweit kommt – Kahl: „Selbst der Verwaltung grimmige Spitzen werden wie die zahmen Tiger sitzen“ – ließ Lewe offen. Vielleicht sieht er keinen Bedarf. „In dieser Stadt OB zu sein, ist nach dem Papst das schönste Amt“, rief er den Narren zu.

Schröder, Präsident der Bürgerausschuss-Tochter Whap, die die Fernsehgala „Westfalen haut auf die Pauke“ organisiert, würdigte den Peitschenträger Jos in het Veld – oder, wie er übersetzte, „Jos in der Wiese“.

Apropos übersetzen: Der Whap-Chef sprach „Holländisch mit Untertiteln“. Nach jedem Absatz folgte die Übersetzung. Die niederländischen Gäste, wozu auch Lossers Bürgermeister Michael Sejbom zählte, klatschten begeistert Beifall.

Schröder klärte auf, dass die „Gaffelaöskes“ nichts mit Kölner Bier zu tun haben, sondern mit der Organisation von Karnevalsumzügen. Insofern sei Jos in het Veld Pendant zu Rolf Jungenblut, dem Boss des Bürgerausschusses Münsterischer Karneval. Wobei die niederländische Übersetzung für BMK anders laute – „Bessen Genever, Matjes und Käse“.

Die farbenfrohen Karnevalswagen aus dem Nachbarland seien eine Bereicherung des Rosenmontagsumzugs. Der ausgezeichnete Chef der Wagenbauer war gerührt. „Die Peitsche steht für die Freundschaft zwischen Münster und Losser.“

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