Nachrichten Münster
Jedes zweite Mädchen im Chat belästigt

Mittwoch, 12.01.2011, 08:01 Uhr

Münster - Die Unesco-Kommission hat das Projekt „ Prävention von Gewalt im Internet“ des Instituts für Psychologie der Uni Münster für den Preis „Ideen Initiative Zukunft“ nominiert. WN-Redakteur Martin Kalitschke sprach mit Torsten Porsch - neben Dr. Stephanie Pieschl Projektleiter -, wie groß die Gefahr für Jugendliche ist, sexuell belästigt zu werden.

Sexuelle Belästigung im Internet - ist das die Regel oder eher die Ausnahme?

Porsch: Eher die Regel. Jedes zweite Mädchen berichtet, mindestens ein Mal im Chat gezielt nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein. Bei den Jungen trifft dies immerhin auf jeden Vierten zu. Zudem ist jedes zehnte Mädchen, das chattet, bereits mindestens ein Mal dazu aufgefordert worden, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.

Warum werden junge Leute so häufig Opfer von Annäherungsversuchen?

Porsch: Wegen der vermeintlichen Anonymität des Mediums haben Täter nur eine geringe Hemmschwelle. Zudem nutzen viele Jugendliche Internetangebote unkritisch und naiv - zum Beispiel, indem sie Personen, die sie gerade erst kennengelernt haben, persönliche Daten mitteilen. Beim Hochschultag 2009 haben wir Schüler, die im Schnitt 18 Jahre alt waren, gefragt, ob sie jemandem ihre Handynummer geben würden, den sie erst eine Woche zuvor im Chat kennengelernt haben. 35 Prozent sagten: Ja, klar.

Wie geraten Jugendliche vor dem PC in unerwünschte Situationen?

Porsch: Häufig werden sie einfach hineingezogen - zum Beispiel, indem sie nach intimen Dingen gefragt werden, wobei die Frage nach einem Freund noch harmlos ist. Nach und nach werden ihnen dann sexualisierte Gespräche aufgezwungen, die sie sich gar nicht gewünscht haben, Fotos zugeschickt - oder sie sehen via Webcam, wie sich jemand entblößt. Womöglich kommt es zum „Grooming“, dem Versuch, ein Treffen zu arrangieren, indem das Chat-Gegenüber Gemeinsamkeiten vortäuscht oder sein Opfer mit dessen zuvor verschickten Fotos erpresst.

Wie können sich junge Leute schützen?

Porsch: Wer sich „SüßeMaus92“ nennt, verrät nicht nur sein Alter, sondern muss damit rechnen, angesprochen zu werden. Schutz fängt damit an, bei der Wahl des Nicknames aufzupassen. Grundsätzlich ist eine gesunde Skepsis wichtig. Sich beim Chatten im eigenen Zimmer zu befinden, ist eine trügerische Sicherheit.

Welche Rolle sollten die Eltern übernehmen?

Porsch: Sie sollten ihre Kinder bei der Mediennutzung kritisch begleiten, aber nicht Regeln vorgeben, die sie ohnehin nicht kontrollieren können. Dabei sollten sie versuchen, mit den Kindern ein Bauchgefühl zu entwickeln, wann etwas nicht stimmen könnte. Egal, was jemand erzählt - er kann immer jemand anders sein.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/260223?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597157%2F597176%2F
Urteil im Container-Streit: Keine Beschränkung auf karitative Organisationen
Verwaltungsgericht: Urteil im Container-Streit: Keine Beschränkung auf karitative Organisationen
Nachrichten-Ticker