Mo., 28.03.2011

Kultur Münster Schmetterlinge im Bauch

Von Heike Eickhoff

Münster - Es geht um Liebe. Um Mann und Frau. Und um Sex, Schwangerschaft, Trennungsschmerz . Adam und Eva im Paradies kommen auch drin vor. Eine ganze Menge Stoff also für eine Stunde Kindertheater. „Die! und Der! und Das! Eine Stunde im Paradies“ heißt die neueste Produktion des Ensembles Fetter Fisch aus Münster, die jetzt im Begegnungszentrum Meerwiese Premiere feierte.

Die Schauspieler Cornelia Kupferschmid und Jan Sturmius Becker wirbeln in Carola von Seckendorffs munterer Inszenierung in pastellfarbenen Anzügen über die kleinen Kunstrasenquadrate des fiktiven Paradieses. Ein paar Äpfel baumeln von langen grünen Fäden herab und laden die beiden Turnschuh-mit-Rasen-drauf-Träger zu einem erkenntnisreichen Imbiss ein.

In den ersten Szenen und Bildern lernt sich das quirlige Paar kennen und lieben, doch Erich Kästners „Sachliche Romanze“ weckt das junge Publikum am Ende hart mit ihrem Sarkasmus. Unnötigerweise wird er allerdings mit einem Song der Gruppe „Wir sind Helden“ wieder weichgespült.

Doch zurück zum Anfang: Zwei Individuen in hektischer Business-Kommunikation finden kein „Zeitfenster“, um sich näherzukommen, erleben dann aber doch die Liebe. Ein bisschen Klamauk, ein paar ruhige Passagen, die ersten Berührungen - zart und sacht. Beide fragen laut „Was ist Liebe?“ und geben selbst die Antworten: Schmetterlinge im Bauch, wohliges Kribbeln, große Verlegenheit - all dies setzen Kupferschmid und Becker überzeugend in Gestik und Bewegung um. Niedlich etwa, wie beide Hand in Hand am Bühnenrand stehen und Kupferschmid, mittlerweile zu Eva mutiert, euphorisch ruft: „Wir halten uns an den Händen, und dann geht die Liebe von Eva zu Adam!“

Ohne Bruch schlägt Fetter Fisch den Bogen vom Paradies zu den Vorgängen bei der Vereinigung von Ei und Samenzelle. Das ist witzig und temporeich inszeniert. Am Ende umschlingen sich beide Protagonisten, sind sie als Eizelle und Spermium miteinander verbunden. Ein grüner Gartenschlauch deutet später die Bindung des Embryos an die Mutter an.

Sicher werden in diesem Theaterstück für Kinder ab sieben Jahren aus dem Sachkundeunterricht bekannte Themen ernst wie amüsant mit Leben gefüllt. Aber letztendlich ist das Wunder der Liebe kaum in Worte zu fassen.

Unter dem Strich bleibt eine Stunde niveauvolle Unterhaltung, die aber immerhin zu weiteren Gesprächen mit den erwachsenen Begleitern führen kann.» Weitere Aufführungen folgen heute und morgen (29. und 30. März), jeweils um 10 Uhr, sowie am 1. April um 10 und 15.30 Uhr.

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