Bezahlen für „Murks“?

Do., 04.08.2011

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Probleme mit neu gebauter Heisstraße - jetzt folgen Gebührenbescheide

Nachträglich wurde an der Heisstraße die Parkordnung geändert, weil auf der neu gebauten Straße sonst zu wenig Platz bleibt für die Müllabfuhr.Foto: (Oliver Werner)
Von Klaus Baumeister

Münster - „Vier städtische Ämter - Tiefbauamt, Ordnungsamt, Feuerwehr und Abfallwirtschaftsbetriebe - wurden zurate gezogen. Herausgekommen ist dabei ein einziger Murks.“

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Wenn Siegfried Avemann, Hausverwalter der Heisstraße 15, sich die neue Parkordnung auf der nagelneuen Heisstraße ansieht, dann kann er einfach nur noch mit dem Kopf schütteln: „Blöder geht es nicht.“

Michael Grimm, Leiter des städtischen Tiefbauamtes, würde das Wort „Murks“ nicht in den Mund nehmen. Wohl ist ihm aber nicht. Müsste er mit dem „Kenntnisstand von heute“, so sein Fazit, die Straße noch einmal bauen, „so würden wir es anders machen“.

Was ist passiert? Als die Heisstraße zu Beginn des Jahres nach langen, für die Anwohner beschwerlichen Kanalbauarbeiten wieder freigegeben wurde, ergab sich ein bis dahin nicht gekanntes Problem: Die Müllabfuhr kam nicht mehr durch. Auch die Feuerwehr beschwerte sich.

Wie berichtet, zog das Ordnungsamt jüngst die Notbremse und schuf eine neue Parkregelung: Die Autos müssen halb auf der Straße und halb auf dem Bürgersteig stehen, um ausreichend Platz auf der Mitte der Fahrbahn zu behalten.

Warum nur, so wettert Avemann, habe die Stadt beim Neubau der Heisstraße nicht „eine Fahrbahnbreite gewählt, die ausreichend Platz lässt für die Müllabfuhr?“ Denn auch wenn die Straße in einem verdichteten Innenstadt-Quartier liegt, so lässt der Straßenquerschnitt das reguläre Nebeneinander von Bürgersteigen, parkenden Autos und Fahrbahn zu.

Tiefbauamtsleiter Grimm steht nach eigenem Bekunden vor einem Rätsel, denn die neue Heisstraße sei nicht schmaler als die alte. So gesehen hätten die Probleme mit den blockierten Müllfahrzeugen gar nicht auftreten dürfen.

Eine Erklärung für die Veränderung hat Grimm nicht, wohl aber eine Vermutung: Die neue Straße habe neue Bordsteinkanten erhalten: zehn statt sechs Zentimeter hoch, eckig statt abgerundet wie die alten. Er schließe nicht aus, so Grimm, dass „Autofahrer aus Angst vor Beschädigungen an den Reifen mehr Abstand zu den Bordsteinkanten gehalten haben als früher“. Mit der Folge, dass die Fahrzeuge stärker in die Fahrbahn hineinragten - und damit Müllabfuhr und Feuerwehr den Weg versperrten.

Ironie der Geschichte: Jetzt müssen die Autofahrer die mutmaßlich Angst einflößenden Bordsteinkante bei jedem Parkvorgang „erklimmen“.

Und noch eine Ironie hält der Vorgang für die Anwohner parat: Der Straßenneubau, der die Gemüter erhitzt, ist kostenpflichtig, weil er - unter rechtlichen Gesichtspunkten - eine Aufwertung darstellt. Demnächst erhalten die Hauseigentümer ihre Gebührenbescheide . . .


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