Hilfe für die Kinder des Krieges
Neuer Pflegedienst unterstützt 50 Opfer des Nationalsozialismus in Rjasan

Dienstag, 16.08.2011, 18:08 Uhr

Münster - Münster und Rjasan haben gemeinsam ein neues soziales Partnerschaftsprojekt auf die Beine gestellt. Es bringt 50 Opfern des Nationalsozialismus in der russischen Partnerstadt dringend benötigte Unterstützung bei Pflege und Betreuung.

Mit im Boot sind der Soziale Fonds in Rjasan, der Förderverein Münster- Rjasan und viele engagierte Bürgerinnen und Bürger in beiden Städten. Dank der deutsch-russischen Zusammenarbeit sei es gelungen, das Projekt aus einem Zuschuss der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zu finanzieren, die mit Sondermitteln der Deutschen Bahn arbeitet, heißt es in einer Pressemeldung.

Die 50 betagten NS-Opfer, zumeist Frauen, leben in Rjasan in Armut und Einsamkeit. Es sind Kinder des Krieges. Zum großen Teil wurden sie zusammen mit ihren Eltern zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Man hat Frauen wie Marija Sokolowa und Tatjana Faduwa die Kindheit geraubt. Sie mussten Hunger und Angst durchstehen, schufteten damals härter als so manch Erwachsener heute. Unter den körperlichen und seelischen Folgen leiden sie bis heute. Nun im Alter erhalten sie keine ausreichende Rente, keine Pflege und keine Zuwendung.

Aus dem Zuschuss der Stiftung kann der Soziale Fonds unter Leitung der langjährig aktiven Olga Ossetrova zwölf Sozialarbeiter drei Jahre lang beschäftigen. Auch beim Kauf von Medikamenten und Pflegehilfsmitteln kann der Fonds einspringen. Die Sozialarbeiter leisten Pflegehilfe, unterstützen im Haushalt und sind für ihre Schützlinge häufig die einzigen Ansprechpartner, an die sie sich mit ihren Sorgen und Alltagsnöten wenden können. „Unter den gegebenen Bedingungen wird schon ein schlichter Geburtstagsglückwunsch zum Ereignis, mit dem man nachhaltig Freude bereiten kann“, berichtet Tatjana Egorowa, Pflegedienstleiterin des Sozialen Fonds.

Neben dem neuen Projekt „Gemeinsam helfen - Pflegedienst für die NS-Opfer in Rjasan“ leistet der Soziale Fonds mit ehrenamtlichen und bezahlten Kräften seit Jahren häusliche Pflege für 30 ältere, behinderte und kranke Menschen. Dieser Dienst wäre ohne die Spenden von Einwohnern der Stadt Münster nicht möglich.

Die Stadtverwaltung Rjasan bemüht sich, das Pflegeangebot auf Dauer zu sichern. Sie hat sich im vergangenen Jahr mit dem Sozialen Fonds in Münster über Pflegestrukturen und -systeme informiert. Zuletzt berieten im Juni 2011 in Rjasan Vertreter des Sozialen Fonds und der öffentlichen Hand zum Thema Pflege. Aber noch ist die häusliche Pflege des Sozialen Fonds der einzige nicht staatliche Pflegedienst in der ganzen Stadt.

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