Späte Hilfe für 50 Menschen
Münster und Rjasan stellen gemeinsam Pflegedienst für NS-Opfer auf die Beine

Mittwoch, 03.08.2011, 00:08 Uhr

Münster - Münster und Rjasan haben gemeinsam ein neues soziales Partnerschaftsprojekt auf die Beine gestellt. Es bringt 50 Opfern des Nationalsozialismus in der russischen Partnerstadt dringend benötigte Unterstützung bei der Pflege und Betreuung. Das teilte die Stadt Münster am Mittwoch mit. Mit im Boot seien der Soziale Fonds in Rjasan, der Förderverein Münster - Rjasan und viele engagierte Bürgerinnen und Bürger in beiden Städten. Dank der deutsch-russischen Zusammenarbeit sei es gelungen, das Projekt aus einem Zuschuss der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zu finanzieren, die mit Sondermitteln der Deutschen Bahn arbeitet. Die 50 betagten NS-Opfer, zumeist Frauen, leben in Rjasan in Armut und Einsamkeit. Es sind Kinder des Krieges. Zum großen Teil wurden sie zusammen mit ihren Eltern zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Man habe Frauen wie Marija Sokolowa und Tatjana Faduwa die Kindheit geraubt. Sie hätten Hunger und Angst durchstehen müssen. Unter den körperlichen und seelischen Folgen litten sie bis heute. Nun im Alter erhielten sie keine ausreichende Rente, keine Pflege und keine Zuwendung. Aus dem Zuschuss der Stiftung kann der Soziale Fonds unter Leitung der langjährig aktiven Olga Ossetrova zwölf Sozialarbeiter drei Jahre lang beschäftigen, heißt es in der Meldung der Stadt. Auch beim Kauf von Medikamenten und Pflegehilfsmitteln könne der Fonds einspringen. "Unter den gegebenen Bedingungen wird schon ein schlichter Geburtstagsglückwunsch zum Ereignis, mit dem man nachhaltig Freude bereiten kann", berichtet Tatjana Egorowa, Pflegedienstleiterin des Sozialen Fonds. Neben dem neuen Projekt "Gemeinsam helfen - Pflegedienst für die NS-Opfer in Rjasan" leistet der Soziale Fonds mit ehrenamtlichen und bezahlten Kräften seit Jahren häusliche Pflege für 30 ältere, behinderte und kranke Menschen. Dieser Dienst wäre ohne die Spenden von Einwohnern der Stadt Münster nicht möglich. Weitere Informationen zum Pflegedienst gibt es bei Olga Ossetrowa (ossetrowa@mail.ru) und beim Förderverein Münster-Rjasan (kontakt@foerderverein-muenster-rjasan.de, Tel. 02 51/4 92 10 48).

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