Do., 22.09.2011

Kultur Münster Flügelschwingend durch die Nacht

Von Maria Berentzen

Münster - Auf der Bühne: ein Klavier und ein schnöder Bürostuhl . Mehr bedarf es nicht für die „Wild Nights“ im Pumpenhaus, den letzten Teil der MA.KE-Trilogie. Nichts ist zu hören bis auf das Knarren des Klaviers, von dem eine der Darstellerinnen nach und nach Bretter entfernt. Aus dem Inneren quillt eine Zettelwirtschaft hervor - ähnlich muss es bei der Dichterin Emily Dickinson ausgesehen haben: Sie nähte zunächst ihre Textblätter zusammen, stopfte die Zettel dann später fast achtlos in die Schubladen ihrer Kommode.

 „Wild Nights“ unter Regie von Manfred Kerklau stellt den Versuch dar, sich der Dichterin durch drei Frauen ( Annalisa Derossi , Karolina Kolodziej, Katrin Heinrich) anzunähern. „Emily looked at the world in a different way“, heißt es im Stück - Emily hatte einen anderen Blick auf die Welt. Auf persönliche Weise bauen die Darstellerinnen Verbindungen zu der Dichterin auf, die sich ab ihrem 20. Lebensjahr weiß kleidete und das Haus nur dann verließ, wenn es nicht zu vermeiden war.

Die Choreografie von Annelise Soglio überzeugt durch die eigenwillige Mischung aus Text und Tanz, aus Statik und Dynamik: Mal scheint nichts zu passieren, dann bricht es wieder wie eine Explosion aus den Tänzerinnen hervor. Schmetterlinge spielen im Werk von Dickinson ebenso wie auf der Bühne eine wichtige Rolle: Annalisa Derossi flattert wild mit den Armen wie ein Schmetterling beim Kolibriflug. Karolina Kolodziej vibriert am ganzen Körper, um einen großen Nachtfalter darzustellen. Dazwischen ertönen aus dem Off vielstimmig Gedichte der Lyrikerin. Danach: Stille.

Was zu Hause sei, fragt ausgerechnet sie, die fast immer zu Hause war. Man ahnt, dass mit Dickinson eine Entwurzelte spricht, die sich nicht einfügen kann. Ihre härtesten Kämpfe, so zeigt sich auf der Bühne, hat sie mit sich selbst ausgetragen: Der Tanz wird ungestüm, begleitet von einem inneren Zittern, das aus allen Poren kommt. Die Musik von Kai Niggemann ist an die vielschichtigen Stimmungen der Dichterin ebenso angepasst wie der Tanz, der mal fließend und leicht, dann wieder fast stakkatoartig und ruckartig ist.

Anderes ist locker: Dickinsons Liebe zur Blumenkohlsuppe sorgt im Publikum ebenso für Erheiterung wie ihre Zuneigung zu Zwerghühnern. Am Ende senkt sich ein Vorhang, auf dem Schmetterlinge wild umherflattern - passender hätte man dieses Stück kaum beenden können.

Das Publikum dankte mit reichlich Applaus.

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