Di., 15.11.2011

Trauer um Franz Feldhaus Seniorchef von Stuhlmacher starb im Alter von 91 Jahren

Münster - 

Franz Feldhaus ist tot. Der Seniorchef der Traditionsgaststätte Stuhlmacher ist am Montag im Alter von 91 Jahren verstorben. Sein Name ist untrennbar mit dem Wiederaufbau des Prinzipalmarkts und der Brauchtumspflege in Münster verbunden.

Mehr als 60 Jahre ist es her, seit Franz Feldhaus und seine Frau Margret aus Anlass der Feierlichkeiten zum 300. Jahrestag des Westfälischen Friedens ihre berühmte Gaststätte am Prinzipalmarkt wieder eröffneten. Im Herbst 1948 fielen, selten genug, somit zwei wirklich wichtige Ereignisse in Münster zusammen. Doch der Weg bis zur Eröffnung des Hauses war hart und mühsam, aber er war vorgezeichnet und am Ende glücklich. Der Charakter des Hauses „Stuhlmacher“ blieb auch nach dem Neubeginn erhalten, die Gäste fühlten sich sofort wohl - Riesengedränge an der Theke, kurzum Bierseligkeit pur. Im Oktober 1948 war der hintere Teil des Lokals eröffnet worden.
Feldhaus fing im August 1945, kaum aus dem Krieg heimgekehrt, mit Karre und seinem Pferd „Quelle“ als erster Anlieger des Prinzipal-markts an, sein Grundstück von den Trümmern des am 5. Oktober 1944 zerstörten Hauses zu befreien. Bekannte hielten ihn schlicht für verrückt, es war alles so trostlos. Immerhin fand er im Schuttberg just an seinem Geburtstag einige unversehrte Flaschen Sekt. Aber irgendwie mussten die schwer gezeichnete Stadt und der Prinzipalmarkt ja wieder aufgebaut werden.
Feldhaus erzählte gerne, dass die Anlieger einfach auf die alten, ihnen vertrauten architektonischen Bilder, eben auf Giebelhäuser, setzten, etwas anderes habe man ja nicht gekannt. Erst viele Jahre später sei ihm zum Bewusstsein gekommen, dass nur auf diese Weise den Münsteranern ein bewährtes und altvertrautes Bild wieder zurückgegeben werden konnte.
Namhafte Architekten und Städteplaner, die anderenorts wenig später ganz neue Innenstädte geplant hätten, wären zu dieser Zeit noch in der Ausbildung oder in Kriegsgefangenschaft gewesen. Der Anfang sei aber auch deshalb so schwierig gewesen, weil alles so hoffnungslos erschien. Es gab kein Baumaterial, keine Maschinen, kein Personal. Aber irgendwann ging es dann doch weiter, zumal Feldhaus auf verwandtschaftliche Unterstützung durch die „Zementfabrik Seibel“ aus Erwitte bauen konnte.
Mit seiner Ehefrau Margret führte Franz Feldhaus „Stuhlmacher“ wieder zu neuer Blüte und zu einer der ersten Adressen der Stadt. Man traf und trifft sich dort, wo sonst! Gemäß des alten Wahlspruchs „Küche, Bier und Bürgersinn“ ist das Haus am Prinzipalmarkt Bestandteil des Stadtlebens. Das können nicht viele Institutionen von sich sagen.
Feldhaus war einer der letzten Überlebenden der sogenannten ersten Stunde, denen Münster so viel zu verdanken hat. Er wie die Kaufmannschaft haben ja nicht nur den Wiederaufbau in die Wege geleitet, sie haben dem Mittelpunkt der Stadt auch ihren unverwechselbaren Charakter zurückgegeben.

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