„Alle Kinder sind willkommen“
Reiner von Borzyskowski baut Münsters erste Sekundarschule auf

Münster -

Im kommenden Schuljahr wird es auf dem Schulcampus Münster eine bisher einzigartige Schule geben. Dort will die Sekundarschule an den Start gehen. Zurzeit baut Reiner von Borzyskowski, bisheriger Leiter der Hauptschule Coerde, die Schule auf. Im Gespräch mit WN-Redakteurin Karin Völker erklärte der Pädagoge, was das Besondere an der Sekundarschule ist.

Dienstag, 17.01.2012, 11:01 Uhr

„Alle Kinder sind willkommen“ : Reiner von Borzyskowski baut Münsters erste Sekundarschule auf
Reiner von Borzyskowski ist zunächst für die Aufbauphase Leiter der neuen Sekundarschule in Roxel Foto: kv

Wenn Sie die Vorteile der Sekundarschule Roxel nennen sollen, was sagen Sie dann zuerst?

von Borzyskowski: Die Sekundarschule Roxel ist ganz neu, mit neuen Chancen, steht aber gleichzeitig für Vertrauen. Das Schulzentrum Roxel mit seinem schönen Gelände ist bekannt, es gibt tolle, neue Gebäude, tolle Sportanlagen, ein Schwimmbad nebenan – und es ist ja nun sicher: Roxel behält seine Stadtteilschule. Denn die Sekundarschule ist kein Schulversuch, sondern eine im Gesetz des Landes neu verankerte Schulform.

Das klingt sehr optimistisch, was den Zuspruch der Eltern zur Sekundarschule angeht . . .

von Borzyskowski: Absolut. Ich gehe sicher davon aus, dass die Schule vierzügig wird, das hat auch die vorherige Abfrage der Stadt bei den Eltern der Viertklässler ergeben.

Welche Kinder sprechen Sie mit der Sekundarschule an?

von Borzyskowski: Grundsätzlich alle – und durch die benachbarte Augustin-Wibbelt-Förderschule können wir auch Inklusion auf sehr kurzen Wegen realisieren. In den ersten zwei Jahren, den Klassen fünf und sechs, lernen alle Kinder immer zusammen. Es bezweifelt ja inzwischen niemand mehr, dass längeres gemeinsames Lernen die Sozialkompetenz der Kinder stärkt, aber auch die Fähigkeit, selbst gesteuert zu lernen.

Gibt es denn Kinder, für die die Sekundarschule sich besonders eignet?

von Borzyskowski: Ich bin sicher, dass unsere Schule gerade für Kinder, die beispielsweise eine eingeschränkte Empfehlung für den Besuch des Gymnasiums bekommen haben, ein gutes Angebot ist. Es gibt Kinder, die brauchen nach der Grundschule noch Zeit, um ihr Potenzial richtig zu entfalten. Wir sehen das auch in Coerde an der Hauptschule immer wieder. Da gibt es auch regelmäßig eine Gruppe von Kindern, die im Laufe des fünften oder sechsten Schuljahres auf die Realschule wechseln.

Ein Übergang von der Sekundarschule zum Gymnasium wäre also kein Problem?

von Borzykowski: Bestimmt nicht. Unsere Partnerschule ist ja das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Wir stimmen mit dem Stein-Gymnasium unser Angebot ab, speziell in den Fremdsprachen. Unsere Schüler, die sich nach der zehnten Klasse für den Besuch der Oberstufe des Gymnasiums qualifizieren, werden auf dem Stein-Gymnasium sicher aufgenommen. Parallel werden wir mit verschiedenen Berufskollegs eng kooperieren, um unseren Schülern den Übergang in die weitere Ausbildung zu erleichtern.

Wie schaffen es die Lehrer an der Sekundarschule, Kinder mit sehr unterschiedlichen Stärken zu fördern?

von Borzyskowski: Wir setzen stark auf offene Lernformen im Unterricht. Und allen, die zweifeln, dass individuelle Förderung funktioniert, mögen zu den Grundschulen sehen, die dies schon immer erfolgreich praktiziert haben. Mit der Mariengrundschule in Roxel, gleich in unserer Nachbarschaft, pflege ich engen Austausch und Kontakt. Die Sekundarschule schafft ja im Prinzip die Möglichkeit, dass ganze Schulklassen nach der vierten Klasse zusammenbleiben können.

Aber ab Klasse sieben soll in der Sekundarschule nach dem bisher verabschiedeten Konzept nach Leistung differenziert werden.

von Borzyskowski: So wurde es zunächst vom Rat verabschiedet. Wir haben vor, ähnlich, wie in der Gesamtschule, in den Hauptfächern zwei Leistungsgruppen zu bilden. In den anderen Fächern sollen die Kinder aber zusammenbleiben – und in ihren Klassen sowieso.

Anfangs war die Gründung der Sekundarschule in Roxel in den Kollegien der dortigen Haupt- und Realschule, die sich nun auflösen, ja umstritten. Wie ist jetzt die Stimmung?

von Borzyskowski: Wir stehen in engem und gutem Austausch, wir nutzen ja für die nächsten Jahre dieselben Gebäude. Die Lehrer der beiden Schulen haben auch aktiv am Konzept der Sekundarschule mitgearbeitet, und es wird an vielen Stellen Zusammenarbeit geben. Weil wir noch keine älteren Schüler haben, werden unsere Patenschüler für die Fünftklässler bestimmt aus der Real- und Hauptschule kommen.

Der Info-Abend für Eltern von Viertklässlern findet am 25. Januar um 18 Uhr in der Mensa im Schulzentrum Roxel statt.

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