Mi., 11.01.2012

Beschuldigter Chefarzt sieht sich als Opfer Ermittlungen wegen mutmaßlich falscher Abrechnungen

Beschuldigter Chefarzt sieht sich als Opfer : Ermittlungen wegen mutmaßlich falscher Abrechnungen

Ein leitender Arzt am UKM wehrt sich gegen Vorwürfe. Foto: dpa

Münster - 

Der Mediziner selbst sieht sich eher als Opfer. Die „ganze Geschichte“ sei harmlos, alte Sachen würden „aufgewärmt und aufgebauscht“. Kurzum: An den Vorwürfen, er habe falsch abgerechnet, ist nach Darstellung des Arztes am Uniklinikum (UKM), gegen den die Staatsanwalt wegen angeblich falscher Abrechnungen ermittelt (WN, 11.1.), „nichts dran“.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung sprach der Chefarzt die Vermutung aus: „Die klappen den Deckel sowieso wieder zu.“ Der Leitende Neurologe sucht vielmehr in der „Gebührenordnung für Ärzte“ (GOÄ) den Übeltäter: „Die Abrechnungen sind sehr kompliziert. Mit vielen Haken und Ösen. Da kann man schnell mal in ein falsches Fahrwasser geraten sein. Und dann läuft was falsch, ohne dass man es wollte.“

Vorstellen könne er sich das im aktuellen Fall aber nicht. „Mir ist nichts bekannt, was problematisch ist.“ Er wisse ohnehin bisher noch nicht genau, um was es konkret gehe. Das sei alles „eine Interpretationsfrage“. Angesprochen auf die Vorgänge 2004, als die Staatsanwaltschaft bereits gegen ihn ermittelt hat, sagt er: „Auch das ist gegen eine Geldbuße eingestellt worden.“

Falsche Abrechnungen über privatärztliche Leistungen sind selten, heißt es in der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Der Fall des Chefarztes am Universitätsklinikum, sei, so Kammer-Sprecher Volker Heiliger, eine „absolute Ausnahme“, Patienten schalteten öfters die Kammer ein, wenn sie den Verdacht hätten, Ärzte rechneten Leistungen nicht korrekt ab. „Wir prüfen das, aber kommen fast immer zu dem Ergebnis, dass keine Fehler vorliegen.“

Über Details der Vorwürfe gegen den Neurologen schweigt sich die Staatsanwaltschaft aus. „Es geht um eher kleine Beträge“, sagte gestern Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Anonym an die Medien verschickte interne Unterlagen über die Prüfung des Falles durch die Ärztekammer besagen, dass nicht der Chefarzt, wie abgerechnet, sondern ein Oberarzt Untersuchungen durchgeführt habe. Jetzt könnte eine Rolle spielen, dass 2004 gegen den Mediziner schon einmal wegen ähnlicher Vorwürfe Ermittlungen liefen, die gegen Zahlung einer, so Beck, „erheblichen“ Geldbuße eingestellt wurden. Der Neurologe selbst kann sich nach eigener Darstellung an die Summe nicht mehr erinnern.

Seinerzeit waren 40 Patientenakten von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden, aus den Unterlagen der Ärztekammer geht hervor, dass der Schaden je Rechnung durchschnittlich 310 Euro betragen habe. Es seien höherwertige Leistungen abgerechnet worden als erbracht wurden, außerdem fingierte Leistungen abgerechnet worden. „Im Wiederholungsfall können sich strafrechtliche Konsequenzen für Täter verschärfen“, so Beck. Die aktuellen Vorwürfe gegen den Arzt sollen in den nächsten Wochen geprüft werden.

Google-Anzeigen

Leserkommentare

 

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend


WN-Immo Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/736145?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F597156%2F591824%2F