Aufklärung und Information gefordert
Mo., 06.02.2012
SPD Münster will sich um das Thema "Sucht im Alter" kümmern
Beanka Ganser stellte gestern einen SPD-Antrag zur Sucht im Alter vor.
Münster -
Maßnahmen gegen die Sucht im Alter – das ist ein Paket, das die SPD in Münster bündeln und bearbeiten möchte.
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Diese Sucht ist fast unsichtbar. Bei alten Menschen spielt sie sich in den eigenen vier Wänden ab. „Sie ist heute die dritthäufigste Erkrankung im Alter, nach Depression und Demenz“, warnt SPD-Ratsfrau Beanka Ganser. Und weil auf lokaler Ebene dafür Zahlen und Konzepte fehlen, fordert sie die Verwaltung auf, das Problem für die Stadt anzugehen. Dazu gehören Zahlen.
Bundesweit geht man davon aus, dass zwei bis drei Prozent der Männer über 60 ein schwerwiegendes Alkoholproblem haben. Bei Frauen soll es ein Prozent sein. Noch schlimmer: Die Abhängigkeit von Medikamenten. Zwischen fünf und zehn Prozent der Senioren sollen schmerzlindernde und rauschfördernde Mittel missbrauchen.
Die Mediziner bemerken es oft nicht. Ganser: „Die Leute gehen von Arzt zu Arzt, besorgen sich Medikamente mit dem grünen Zettel.“ Das heißt, auf eigene Rechnung.
Die Öffentlichkeit nimmt meist Jugendliche ins Visier, wenn von Sucht oder Drogenmissbrauch die Rede ist. Sie konsumieren öffentlich, sie lärmen, fallen auf. Auch suchtkranke Kollegen sind in vielen Betrieben ein Thema, das aktiv angegangen wird.
Ist der Mensch allerdings erst im Ruhestand, versagt oft die soziale Kontrolle. Insbesondere, wenn Senioren auch noch allein stehend sind.
Beanka Ganser, beruflich stellvertretende Jugendamtsleiterin in Lünen, fordert daher Kooperationen: Ärzte, Beratungsstellen, Suchthilfen, Gerontopsychiatrie und Seniorenvertretung müssten ein Netz bilden, um die Hilfe zu verbessern.
Um nicht als Spaßverderberin da zu stehen: „Es geht nicht darum, von alten Menschen Abstinenz zu verlangen.“ Es komme viel mehr darauf ein, das rechte Maß zu finden. „Die Alkoholverträglichkeit“, sie, „lässt im Alter nach.“
Die SPD fordert nun ein Maßnahmenpaket: Problemaufriss, Aufklärung und koordinierte Hilfen. Vorerst wartet sie noch auf die Antwort auf eine andere prekäre Altersfrage: Wie es um Wohlstand und Armut in der Stadt bestellt ist?