Debatte über öffentliche Freigabe

Mi., 08.02.2012

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Eisflächen in Münster: Andere Kommunen prüfen wenigstens die Dicke der Schicht

Debatte über öffentliche Freigabe : Eisflächen in Münster: Andere Kommunen prüfen wenigstens die Dicke der Schicht

Viele Münsteraner tummeln sich bereits auf dem Aasee. Foto: -jvg-

Münster - Hannover macht es – Münster nicht: Die Verwaltung der Westfalenmetropole weigert sich hartnäckig, öffentliche Eisflächen freizugeben. Warum eigentlich?

Von Lukas Speckmann

Hannover macht es, Hamburg drückt ein Auge zu – aber Münster geht auf Nummer sicher. Wenn es um die Freigabe öffentlicher Eisflächen geht, ist aus dem Stadthaus nur ein strenges Grummeln zu vernehmen. Bohrt man nach, bekommt man aus dem Presseamt eine offizielle Antwort: „Die Stadt gibt grundsätzlich keine Eisflächen frei. Sie prüft auch nicht die Eisdicke oder gibt eine Einschätzung ab, ob eine bestimmte Eisdecke zu einem bestimmten Zeitpunkt tragfähig ist oder nicht.“ Das ist deutlich.

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Niedersachsens Landeshauptstadt ist da zugänglicher: Am Mittwochvormittag wurde der Maschsee hinterm Rathaus offiziell freigegeben, bestätigt Dennis Dix vom hannoverschen Presseamt. Städtische Mitarbeiter hatten bei Probebohrungen eine stabile Eisdecke von 13 Zentimetern ermittelt. Zwei Flaggen mit dem Stadtwappen signalisieren seitdem: Eintritt frei. An der Alster in Hamburg heißt es zwar auch: „Betreten auf eigene Gefahr“, aber die Stadt führt regelmäßig eine „Eisschau“ durch und veröffentlicht einen „Eiszustandsbericht“.

Warum geht das in Münster nicht? Wilfried Sandbaumhüter von der DLRG, der für die Eisrettungsstationen am Aasee zuständig ist, erläutert es: „Der Aasee wird von der Aa durchflossen, und die führt wärmeres Wasser mit. Die Eisschicht ist nicht überall so dick wie vorne an der Jachtschule.“ Würde die Stadt die Fläche ausdrücklich freigeben, übernähme sie die Verkehrssicherungspflicht: „Keine Kommune kann das leisten.“ Hannover? „Die sind sehr mutig. Oder gut versichert.“

Kommentar: Service ist messbar

Eigentlich kann man der Stadt keinen Vorwurf machen. Wer sich aufs Eis begibt, bringt sich in Gefahr – und warum sollte ausgerechnet die Kommune dafür Verantwortung übernehmen? Nicht erlaubt und nicht verboten: Durch ihre Weigerung, die Eisdecke auf dem Aasee auch nur zu prüfen, geht die Stadt jedenfalls kein Risiko ein.

Das ist letztlich eine Stilfrage: Die Stadt Hannover nimmt die Mühe auf sich, die Eisdecke auf dem Maschsee regelmäßig zu kontrollieren, und sie hält eine durchgängige Kerneisschicht von 13 Zentimetern für unbedenklich.

„Ein traditioneller Service für die Bürger“, heißt es in Hannover – wo alle anderen Eisflächen übrigens grundsätzlich nicht betreten werden dürfen. Was ist nun bürgerfreundlicher? Die Stadt Münster sollte eine offene Diskussion darüber ruhig zulassen.

Die übrigen natürlichen Eisflächen in Münster seien vielleicht stabiler, aber dafür aus anderen Gründen gefährlicher. Schlossgräfte oder Kanonengraben etwa seien nicht vernünftig zugänglich. Die Rieselfelder, meint Sandbaumhüter, sollte man schon aus Naturschutzgründen in Ruhe lassen. Und an das Eis auf dem Kanal mag er gar nicht denken.

Die Eisbahn ist die Alternative. Und nicht wenige gehen gleich in den „Eispalast“. Dessen Anlageleiter Senthil Nathan bestätigt, dass viele Gäste vom Schlittschuhwetter auf den Geschmack gebracht werden, in der Halle aufs Eis zu gehen: „Es kommen Familien und Schulklassen, denen es draußen zu unsicher ist.“


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