Devise: Warm bleiben

Di., 07.02.2012

  • Derzeit 4 von 5 Sternen.

Artikelbewertung

Einige Münsteraner müssen der Kälte trotzen

Münster - 

Münster - Wie wappnen sich Münsteraner gegen den Frost? Die Tipps reichen vom Zwiebel-Look über Lammfellschuhe bis zu heißen Würstchen.

Von Jürgen Grimmelt

Die Zwiebel ist ein Multitalent: Köche schätzen sie als schmackhafte Weichmacher, Botaniker wegen ihrer heilenden Wirkung. Sandra Wickinghoff setzt ebenfalls auf die Zwiebel – „weil sie bei dieser Eiseskälte so schön warmhält“. Unterhemd, ein alter Rolli, darüber ein Fleecepullover, und zum Abschluss eine dicke Winterjacke – mit dem Zwiebelschalenprinzip hat sich die Münsteranerin, die bei minus zehn Grad auf dem Prinzipalmarkt Blumen verkauft, gegen die frostigen Temperaturen gewappnet. Die Füße bleiben dank selbst gestrickter Wollsocken („ganz wichtig“) und dicken Schuhen mit Lammfellfutter muckelig warm.

Google-Anzeigen

Auf einen „Bollerofen“ will Sandra Wickinghoff trotzdem nicht verzichten. „Allein schon wegen der Blumen.“ Der Gasbrenner läuft ununterbrochen, um die Luft in dem Verkaufszelt auf Plusgrade anzuheben. Vier große Kartuschen stehen an der Seite. Kein billiges Vergnügen: „Da geht ganz schön was durch.“

Das gilt auch für David Klein, dessen mobiler Bratwurststand auf der Ludgeristraße regen Zulauf hat. „Heiße Würstchen helfen eben gegen die Kälte“, weiß der 27-Jährige die Kauflust der Passanten werbewirksam zu erklären. Und wie schützt er sich selber vor Väterchen Frost? „Ich hab´ heute Morgen drei Pullover übereinander angezogen, und drüber eine Weste.“

Da ist es wieder, das Zwiebelschalenprinzip. Außerdem heizt ihm sein Arbeitsplatz kräftig ein: „Hinten ein Heizstrahler, vorne der Grill. Sonst wäre es nicht auszuhalten.“ Alle zwei Stunden löst er sich mit seinem Arbeitskollegen am Grill ab. Dann dreht er eine kleine Runde durch C & A – „um wieder auf Grundwärme zu kommen“.


André kann darüber nur schmunzeln. Der Straßenmusiker flitzt über die schwarzen Tasten seines Schifferklaviers. Das Balalaika-Trio, das gegen Mittag seine Instrumente unter den Bögen auspackt, schert sich nicht sonderlich um die Temperaturen. Die Drei kommen gebürtig aus Weißrussland, da sind sie andere Temperaturen gewohnt.

Auf dem Prinzipalmarkt machen sich derweil drei Arbeiter zu schaffen. Sie verlegen ein Glasfaserkabel. „Es gibt halt bestimmte Dinge, die gemacht werden müssen, egal bei welchem Wetter“, heißt es geschäftsmäßig. Wobei es Einschränkungen gibt, zumindest für das Material: „Für das Verarbeiten von Glasfaser darf es nicht kälter sein als -5 Grad. Wir dürfen auch bei niedrigeren Temperaturen arbeiten . . .“

„Krümel“, wie sie sich selber nennt, will derweil nicht wirklich warm werden. Die 22-Jährige lebt auf der Straße. Auch nachts. Seit Langem schon, sagt sie. Gegen zwölf sitzt sie auf dem Bürgersteig, hinter sich das Lackmuseum, vor sich ein Plastikbecher, wo die Passanten Geld reinwerfen können. Wenn sie wollen. Manch einer fragt die junge Frau, ob ihr kalt ist. Nur wenige werfen Münzen in den Becher. „Krümel“ hat eine Erklärung: „Im Sommer nehmen die Leute eher die Hände aus der Hosentasche.“


Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 4 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 4/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Mehr zum Thema

Artikel



Standort

 

WN-Mobil Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

WN-Aktionen

Immer mehr drin
Exklusive Angebote für WN-Kunden - wie funktioniert das? mehr...
Anzeige