Die Nascher fasten nicht
Mi., 22.02.2012
In den Konditoreien bereitet man sich auf das Ostergeschäft vor
Julia Beckmann, Inhaberin der Chocolatrice, sorgt für schokoladige Hasen zu Ostern.
Münster -
In der Pralinenmanufaktur Chocolatrice schwebt ein samtiger Schokoladenduft. Während auf dem Kopfsteinpflaster der Innenstadt noch Kamelle von Rosenmontag kleben, gewährt hier die Durchsicht zur Küche einen Blick auf die ersten Osterhasen. Inhaberin Julia Beckmann ist fleißig, bis zum Ostergeschäft in wenigen Tagen müssen noch einige Tiere gegossen werden. Dass sich die Fastenzeit auf das Geschäft auswirken werde, glaubt sie nicht. Auch wenn mancher Kunde erzählt, dass er nur heimlich von den Köstlichkeiten koste.
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Zwangsurlaub gibt es für sie nach Aschermittwoch nicht. Auch nicht für Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel, Geschäftsführerin der Konditorei Grotemeyer. Während vor 30 Jahren in der Fastenzeit weniger Süßes verkauft wurde, sei davon heute nichts zu spüren.
Im Gegenteil: Nach Aschermittwoch lockt Grotemeyer mit neuer Osterware. Da wird gerne frühzeitig genascht. Bei der Bäckerei Tollkötter kann man sich nicht vorstellen, dass plötzlich mehr Dinkelbrötchen und weniger Plunderteilchen verzehrt werden. Auch hier wird das Sortiment bald um Hefebrötchen in Tierform erweitert, und der süße Stuten mit Rosinen und Haselnüssen darf sich für einen begrenzten Zeitraum Osterstuten nennen.
Frank Bronstering, einer der Inhaber des „Aux Chocolats“ an der Königsstraße, gibt zu bedenken, dass es über das Jahr zyklische Veränderungen im Süßwarengeschäft gebe. Ob die Fastenzeit darauf Einfluss nehme, sei schwer zu sagen.
Im Verkaufsraum sei die Fastenzeit trotzdem ein großes Thema. Besonders ältere Kunden fragen den Schokoladenliebhaber, ob er zwischen Aschermittwoch und Ostern weniger zu tun habe, und manch eine Dame erinnert daran, dass am Sonntag das kirchliche Gebot zur Abstinenz aufgehoben sei. An diesem Tag seien Kuchen, Kekse und zuckrige Kalorien erlaubt.
