Große Träume und lautes Geschrei

Fr., 03.02.2012

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Seit Jahrzehnten inspiriert der Hindenburgplatz Architekten und Kritiker

Große Träume und lautes Geschrei : Seit Jahrzehnten inspiriert der Hindenburgplatz Architekten und Kritiker

1989: Das Büro Slonicky & Partner entwickelt ein Gartenkonzept für den Hindenburgplatz einschließlich einer zur Allee umgebauten Straße Hindenburgplatz. Auf den weißen Flächen sind Parkplätze vorgesehen, die blauen Flächen markieren neue Gebäude. Foto: unbekannt

Münster - 

Gewiss, es ist schwer, städtebauliche Diskussionen auf eine Formel zu bringen. Aber einen Versuch ist es wert: Also, es gibt in Münster ein Phänomen dergestalt, dass die Intensität öffentlicher Architekturdiskussionen proportional ansteigt mit dem Bedürfnis nach baulicher Unveränderbarkeit.

Von Klaus Baumeister

Das gilt zumindest für Parkplätze, näherhin für die Stubengasse und den Hindenburgplatz. Nun, auf der Stubengasse mündete eine immerhin 20-jährige Debatte dann doch in eine Bebauung ein, die der City seit 2009 ein neues Gesicht gibt. Bleibt also der Hindenburgplatz an der Schnittstelle zwischen Altstadt und Universitäts-Schloss. Über diese Fläche wird bereits seit Zeiten des berühmten münsterischen Architekten Johann Conrad Schlaun (1695-1773) gesprochen.

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Geändert hat sich aber nichts, sieht man einmal davon ab, dass der Platz 1927 seinen alten Namen Neuplatz verlor und in Hindenburgplatz umgetauft werden soll. Aber auch der Name ist ja neuerlich Gegenstand einer Kontroverse.

Kehren wir zurück zur Bebauung: Glaubt man den Zählungen der Stadtverwaltung, dann existieren weit über 200 Pläne, Zeichnungen, Modelle und neuerdings auch Computeranimationen zur Neugestaltung des Hindenburgplatzes. Aktuell ist es der Vorschlag des Vereines der Kaufmannschaft, das Konzept eines Barockgartens auf dem Parkplatz umzusetzen.

In gewisser Weise gelangt die Diskussion damit wieder an einem Punkt an, an dem sie sich bereits vor über 20 Jahren befunden hat.

Aber der Reihe nach:

1989: Im Rahmen des „Leitplanes Stadterneuerung“ erarbeitet das Büro Slonicky & Partner aus Zürich ein Konzept zur Neugestaltung. Die Eckdaten: Der Kalkmarkt im Norden sowie der heutige Uni-Parkplatz werden für hochwertige Bebauung freigegeben – Uni-Institute, Behörden oder ein Hotel. Auf den beiden mittleren Teilen des Hindenburgplatzes werden Rasen und Hecken angepflanzt, zum Parken für die Autos verbleiben kleinere Geländeteile. Massiv ist der Eingriff in die Straße Hindenburgplatz. Sie erhält zwei baulich getrennte Spuren und damit einen Alleecharakter.

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Das Konzept birgt die Chance in sich, zu einer Klammer zwischen Universität und Stadt zu werden - sie formuliert das gewandelte Verständnis.

Urteil des Preisgerichts zum vorgestellten Amphitheater (1993)

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1993: Anlässlich des Jubiläums „1200 Jahre Stadt Münster“ wird ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem die Architekten Hannelore Kossel, Axel Schultes und Charlotte Frank (alle Berlin) Platz 1 belegen – und zwar mit „eindeutiger Mehrheit“, wie das Preisgericht verkündet. Das Trio schlägt für den Platz eine Art Amphitheater vor, das so markant ist, dass es den Platz dominiert und auch strukturiert. Umgesetzt wird die „mutige stadträumliche Idee“ aber nie.

2004: Im Jahr 2000 bringt der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement das Projekt „Kulturforum Westfalen“ auf dem Hindenburgplatz ins Spiel. Es soll bestehen aus einer Musik- sowie einer Kunsthalle und einem Kongresshotel. Die Stadt Münster nutzt 2004 die Möglichkeiten der Regionale, um Geld zu akquirieren für einen Architektenwettbewerb. Fünf der fast 200 eingereichten Entwürfe werden prämiert.

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Auch wenn – formell gesehen – alle Preisträger gleich behandelt werden, so ist Insidern klar, dass der Entwurf der Dortmunder Architekten Detlev Buhlke und Martin Kuhn im Falle einer Fortführung des Projektes die besten Chancen hat. Der Grund: Buhlke und Kuhn wollen „nur“ den südlichen Teil des Hindenburgplatzes bebauen und entzerren die Debatte über verstellte Blickachsen.

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Hindenburgplatz und Schlossplatz sollten endlich jene räumliche Fassung erhalten, die zu ihrer Entstehungszeit im Barock beabsichtigt gewesen war.

Erläuterung zu dem Konzept von Slonicky & Partner (1989)

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2007: Nach dem Scheitern des Kulturforums konzentriert sich die Planung auf eine Musikhalle, beflügelt durch ein Konzept des Architekturbüros Bock, das auch das Coesfelder Theater gebaut hat. Das Projekt scheitert 2008 per Bürgerentscheid.

Um den Streit über die geplante Bebauung des Platzes zu entschärfen, entwirft der münsterische Architekt Dieter Baumewerd 2007 ein Alternativkonzept, bei dem die Bebauung wieder an den Nordrand rückt – wie in dem Entwurf von 1989.


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