Jugendamt prüft Familien
Mi., 22.02.2012
Nach dem Tod eines Mädchens in Hamburg: Strenge Anforderungen an Pflegeeltern
Anna Pohl kann sich nicht vorstellen, dass es auch in Münster zu Gewalttaten gegen Pflegekinder kommt. Pflegeeltern würden streng überprüft.
Münster -
Wenn Eltern ihre Erziehungsaufgaben nicht wahrnehmen können, ist die Unterbringung in einer Pflegefamilie oft die beste Alternative. Doch auch in Pflegefamilien erleiden Kinder manchmal furchtbare Schicksale.
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Die neunjährige Anna aus Königswinter wurde vor zwei Jahren von ihrer Pflegemutter in der Badewanne ertränkt, die elfjährige Chantal aus Hamburg starb kürzlich in der Obhut ihrer Pflegefamilie durch eine Überdosis Methadon – Fälle, die Anna Pohl, Leiterin des städtischen Jugendamtes erschüttern. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas in Münster vorkommen könnte“, sagt sie – und nennt die Bedingungen, die Familien erfüllen müssen, wenn sie ein Pflegekind aufnehmen wollen.
Gefordert werden ein ärztliches Gesundheitszeugnis, wobei auch sucht- und psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden, sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Es wird zudem über die Schufa eine Auskunft über die wirtschaftlichen Verhältnisse eingeholt, Wohnverhältnisse und Berufe der Pflegeeltern werden auf den Prüfstand gestellt – „auch wenn ein Kind von Verwandten in Pflege genommen werden soll“, erklärt Pohl.
Bei dem Fall in Hamburg waren es drogensüchtige Verwandte in vollkommen unzulänglichen Wohnverhältnissen, die Chantal in Pflege genommen hatten. Pohl sieht es generell sehr kritisch, „dass Drogensüchtige, die auf Methadon umgestellt sind, die Ersatzdroge für mehrere Tage auf Vorrat mit nach Hause nehmen dürfen“. Das Jugendamt betreut auch drogensüchtige Eltern, die mit Methadon versorgt werden.
Pohl: „Es besteht immer die Gefahr, dass die Drogen nicht sicher vor Kindern aufbewahrt werden.“ In Münster waren im vergangenen Jahr 440 Kinder bei Pflegefamilien untergebracht, 74 von ihnen bei Verwandten. Für die Unterbringung gibt die Stadt nach eigenen Angaben 4,5 Millionen Euro im Jahr aus – „ein Heimplatz ist deutlich teurer“, so Pohl.
Die Stadt sucht ständig neue Pflegefamilien, bietet fachliche Begleitung und Fortbildung an. „Leider wollen die meisten Familien nur ein kleines Kind, möglichst ein Baby, aufnehmen“, bedauert die Amtsleiterin. Schwierig bleibe weiterhin die Unterbringung von älteren, besonders die von behinderten Kindern. Jedes Jahr nimmt die Stadt rund 110 Kinder in Obhut, die von ihren leiblichen Eltern nicht hinreichend versorgt werden können. Diese Zahl sei seit etlichen Jahren konstant, so Pohl.
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