Nach Todesfall in Hamburg
Mi., 22.02.2012
Münsterischer Ehec-Experte sieht noch großen Forschungsbedarf
Prof. Dr. Helge Karch im Mai 2011 in einem Labor am Institut für Hygiene
Hamburg/Münster - Nach dem Tod eines an Ehec erkrankten, sechsjährigen Mädchens in Hamburg werden Erinnerungen an die Epedemie im Frühsommer 2011 wach. Doch eine erneute Verbreitung des aggressiven Darmkeimes ist dem Direktor des Instituts für Hygiene an der Uniklinik Münster, Prof. Dr. Helge Karch, zufolge unwahrscheinlich. "Es gibt keinen Grund zur Panik", sagte er am Mittwoch. Dennoch zeige der schnelle und tragische Verlauf bei der Sechsjährigen, die am Sonntag an den Folgen der besonders schweren Form einer Ehec-Infektion HUS verstorben war, wie gefährlich der Erreger ist und wieviel Forschungsbedarf nach wie vor besteht.
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Das an den Folgen von Ehec gestorbene Mädchen war nicht am Epidemie-Erreger aus dem Frühsommer 2011 erkrankt. Ein Schnelltest habe keinerlei Übereinstimmung mit dem Erregertyp 0104 ergeben, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag. Für den Direktor des Instituts für Hygiene an der Uniklinik Münster dennoch ein Besorgnis erregender Vorfall: "Das zeigt, dass es außer dem Ausbruchsstamm von 2011 noch andere hochgefährliche Stämme gibt", so Karch.
Alle 42 bekannten Erregerstämme seien in der Lage, zu solch einem tragischen Todesfall zu führen. Bislang gebe es aber weder eine innovative Methode der Diagnostik noch eine spezifische Therapieform. Auch ausreichende Erkenntnisse darüber, "was die Entstehung und die Reservoire angeht", fehlten. Unbekannt sei zudem, warum manche Menschen, die den Ehec-Erreger ausscheiden, nicht erkranken. "Wir müssen Ehec im Auge behalten", so Karch.
Auch in Hamburg ist weiter unklar, wie sich die Erstklässlerin ansteckte. Bei mehr als 20 Lebensmittelproben aus dem Haushalt der Familie und aus Geschäften, in denen sie regelmäßig einkauft, konnten bislang keine Ehec-Bakterien nachgewiesen werden. Auch das Essen im Kinderhort wird nicht als Infektionsquelle angesehen. „Wir untersuchen noch mehr Proben. Es kann aber durchaus sein, dass man es nicht mehr zurückverfolgen kann“, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde.
Die Gesundheitsbehörde in Hamburg betonte noch einmal, dass die Erkrankung des Mädchens ein Einzelfall sei. „Man muss keine Angst vor einer Krankheitswelle haben“, sagte die Sprecherin. Auch in Münster sind Helge Karch zufolge keine Fälle von Ehec bekannt. "2012 hat Ehec noch keine Rolle gespielt."
In Deutschland erkrankten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auch vor der großen Ehec-Welle im vergangenen Mai und Juni 800 bis 1200 Menschen pro Jahr an dem aggressiven Lebensmittelkeim. Die Infektion des Kindes war am 11. Februar bekanntgeworden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde diagnostizierten die Ärzte das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) - die schwere Verlaufsform einer Ehec-Infektion.
Der Zustand der Sechsjährigen verschlimmerte sich trotz Dialyse immer weiter. Sie starb in der Nacht zum Sonntag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an Nierenversagen.
Das Mädchen besuchte die Gorch-Fock-Grundschule in Hamburg-Blankenese. Dort wurden die Räume desinfiziert, Ärzte des Gesundheitsamtes informierten die Eltern. „Sie sind sehr verunsichert“, sagte die Schulleiterin Vera Klischan. Die Schulbehörde sieht keine Gefahr für die Schüler. Sie stellt es den Eltern aber bis Mittwoch frei, ihre Kinder daheim zu lassen. „Zwischen 40 und 50 Prozent der Schüler waren am Dienstag da“, berichtete Klischan. Mit allen werde über den Ehec-Tod der Mitschülerin gesprochen. Am Mittwoch solle es in der Schule eine Trauerfeier geben.