Sa., 18.02.2012

Neonazi-Demo Erst gar nicht aufmachen

Neonazi-Demo : Erst gar nicht aufmachen

Friseurmeister Jens Sonnabend ärgert sich darüber, dass die Rechten vor seinem Laden aufmarschieren. Er wird seinen Laden am 3. März erst gar nicht öffnen. Foto: cro

Münster - 

Die Geschäftsleute am Hohen Heckenweg haben Angst: Denn sie sind Leidtragende der Neonazi-Demo, die am 3. März unter anderem über ihre Straße führt. Das bedeutet für die Kleinunternehmer, dass die Kunden ausbleiben und die Läden geschlossen sind – und somit der Umsatz fehlt.

Von Claus Röttig

Die Geschäftsleute am Hohen Heckenweg haben Angst: Denn sie sind wohl Leidtragende der Nazi-Demo, die am 3. März unter anderem über ihre Straße führt. Das bedeutet für die Kleinunternehmer, dass die Kunden ausbleiben und die Läden geschlossen sind – und somit der Umsatz fehlt.

„Ich brauche meinen Laden eigentlich gar nicht aufzumachen“, so Friseurmeister Jens Sonnabend. Denn die Kunden seien ängstlich, verständlicherweise. „Es wird sich keiner zum Haare schneiden trauen, wenn er Angst vor den Rechten hat.“ Doch einen Vorwurf macht er auch der Polizei. „Wir sind durch die WN darüber informiert worden, dass die Demo direkt vor unseren Läden herführt. Das hätte man doch auch mal früher ankündigen können.“

Auch bei den anderen Unternehmen ist deutliche Unsicherheit zu spüren. „Wir haben von acht bis 12 Uhr auf, vielleicht öffnen wir nach der Demo wieder“, heißt es von der Schlecker-Filialleitung. Die Filiale liegt ebenfalls direkt an der Route. Während der Demo sei geschlossen, aber immer jemand im Laden, „Wir wollen unsere Filiale auch beschützen, obwohl wir ein mulmiges Gefühl haben.“ Das sei auch bei den Kunden deutlich zu spüren.

Nicht anders sieht die Situation in der Thomas-Apotheke aus: „Aber wir haben das Glück, dass wir samstags sowieso um 13 Uhr schließen“, sagt Inhaber Hans-Christoph Brixius. Er überlegt jetzt, die Apotheke eine halbe Stunde früher zu schließen. „Allerdings frage ich mich schon, wie die Kunden zu uns kommen sollen, wenn die Polizei schon ab den frühen Morgenstunden alles absperrt.“

Auch die Alpha-Fahrschule bereitet sich vor: „Wir werden alles, was man werfen kann, entfernen“, so der Inhaber Kurt Tegtmeyer. Und die Autos? „Die nehmen die Fahrlehrer mit, die Schule bleibt geschlossen.“

Besonders hart trifft es voraussichtlich Hassan Abdulhakim: Er betreibt Smiley´s Pizza-Service. „Die Kunden kommen nicht zu uns, sondern wir bringen die Pizza zu den Kunden. Aber wie sollen wir das machen, wenn alles abgesperrt ist?“ fragt sich der Geschäftsmann. Daher werde er erst abends öffnen, auch wenn es massiven Verdienstausfall bedeute.

Auch der Netto-Markt, ein wenig mehr in Richtung Coerde, wollte eigentlich am 3. März schließen. „Wir lassen aber offen, alles andere wäre ein Zeichen von Feigheit“, heißt es aus dem Team. Zwar habe die Belegschaft Angst, denn es arbeiten viele Ausländer in dem Discounter, aber die Geschäftsführung habe toll reagiert. „Es werden an dem Tag nur Männer bei uns arbeiten, dazu kommen zwei Securitys.“

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