Mo., 27.02.2012

Neonazi-Demo In Rumphorst rumort es: Anwohner machen ihrer Angst und Wut Luft

Neonazi-Demo : In Rumphorst rumort es: Anwohner machen ihrer Angst und Wut Luft

Rund 80 Menschen, darunter die Hälfte Anwohner, liefen am Sonntag die Demonstrationsstrecke im Rumphorst-Viertel ab, führten offene Gespräche und erläuterten ihre Sorgen. Foto: pesa

Münster - 

Die Anwohner in Rumphorst sind verunsichert, haben Angst, wenn die Nazis aufmarschieren. Die Bewohner hoffen, dass ganz Münster dagegen demonstriert.

Von Peter Sauer

Eine Woche vor der Neonazi-Demonstration rumort es im beschaulichen Rumphorst-Viertel. Die Vorgärten ordentlich, die Häuser gepflegt und kaum Autoverkehr. So idyllisch zeigt sich das Wohngebiet auf den ersten Blick, wo die Neonazis am kommenden Samstag (3. März) marschieren wollen.

Aber hinter der Fassade steigt der Unmut auf. Das erlebte das Aktionsbündnis „Keinen Meter den Nazis“ am Sonntagmittag. Es hatte unter Leitung von Carsten Peters zum Viertelrundgang eingeladen.

Rund 80 Menschen liefen die Demonstrationsstrecke ab. An zahlreichen Wohnhäusern kamen ihnen Anwohner entgegen, um in offenen Gesprächen ihren Unmut über die Neonazi-Demo mitzuteilen. „Das ist ja quasi bei uns direkt im Vorgarten“, ärgert sich etwa Anwohnerin Annette Sand an der Sibeliusstraße. Ihre Reaktion: Zwischen den Apfelbäumen hat sie ein großen Bettlaken gehängt, wirbt darauf für eine „bunte Gesellschaft“. Zwei Häuser weiter appelliert Renate Fiergau auf einem Bettlaken an ihrer Häuserwand an Menschen aller Völker, sie nicht mit den Nazis alleine zu lassen.

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Wir werden zeigen, dass Nazis bei uns im Viertel, in Münster und überall unerwünscht sind.

Isabel Lipthay (gebür­tige Chilenin und Anwohnerin)

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„Doof“ findet der neunjährige Julius Schorlemmer die ganze Demo: „Die Neonazis behandeln Ausländer sehr schlecht. Das ist unfair und gemein.“ ÖDP-Kreisvorsitzender Simon Gremmler betont, wie wichtig es sei, Flagge zu zeigen – „aber in jedem Fall gewaltfrei“.

Das kommt an, denn vor allem ältere Anwohner haben Angst, dass die Situation eskalieren könnte. „Wir kennen die Bilder ja aus dem Fernsehen“, sagt ein Rentner, und seine Nachbarin ergänzt: „Es ist schon schlimm, dass die Polizei ab kommenden Freitagabend unser ganzes Viertel dichtmacht – aus Sicherheitsgründen. Also mich verunsichert das.“

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Es ist toll zu sehen, wo sich in Münster und im Viertel überall Widerstand formiert. Die Nachbarschaft wächst enger zusammen – gegen die Nazis.

Martin Firgau (Anwohner)

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Beim Anwohnertreff am späteren Sonntagnachmittag platzt das Theater im Pumpenhaus aus allen Nähten. Rund 300 Menschen sind gekommen, vom Säugling bis zum Senior.

Nach einer Einführung von Michael Sturm von der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus und Markus Gelder von der Initiative „Kreuzviertel-stellt-sich-quer“ machen die Rumphorst-Anwohner ihrer Resignation und Wut Luft.

Sitzblockaden bereits in der Bahnunterführung in Münster-Nord werden ebenso vorgeschlagen wie spontane Geburtstagspartys der Rumphorst-Anwohner. Mit den Partys wollen sie die demonstrierenden Neonazis wie Luft behandeln.

Die 79-jährige Marianne Bußmann brachte die Wünsche vieler gestern auf den Punkt: „Ich wünsche mir, das ganz Münster gegen die Neonazis demonstriert. Dann habe ich keine Angst mehr.“

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