Schwarzbrot statt Tabak in der Pfeife
Fr., 03.02.2012
Freitagabend darf im Rathaus geraucht werden – vielleicht zum letzten Mal
Daniel Fincke präsentiert die traditionelle Kramermahlpfeife. Sie wird eigensbei der Nürnberger Firma Vauen für diesen Anlass bestellt.
MÜNSTER -
Wer über die Kramermahlpfeife spricht, kommt an dieser Anekdote nicht vorbei: Ein Gast soll sich das Rauchgerät aus lauter Schussligkeit mit Schwarzbrot gestopft und angekokelt haben – weil die zur Stippmilch gereichten Pumpernickelbrösel noch auf dem Tisch standen . . .
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Natürlich kennt Daniel Fincke diese Geschichte, und er hält sie für halbwegs glaubwürdig: „Es gibt Tabakmischungen, die so aussehen.“ Der beim Kramermahl tatsächlich gerauchte Tabak hat allerdings keine Ähnlichkeit mit Pumpernickel: Es ist die traditionelle „Rathaus-Mischung Nr. 4“ aus dem Hause Fincke, eine klassische und nur dezent aromatisierte Mixtur aus Virginia-, Burley und Perique-Tabaken. Sie wird nach dem Essen im Rathaus in Tontöpfen herumgereicht.
Wie – im Rathaus darf geraucht werden? Eigentlich nicht. Nur beim Kramermahl ist eine Sondererlaubnis drin, des alten Herkommens wegen. Es sieht vor, dass jeder Gast nach dem Dessert, wenn der gemütliche Teil beginnt, eine lange Pfeife aus der Tasche zieht, sich am angebotenen Tabak bedient, zu Streichhölzern und Stopfer greift und munter dampft.
So lange er sich erinnern kann, war die Beschaffung von Tabak und Pfeifen schon immer Sache der 1895 gegründeten Firma Fincke, betont Daniel Fincke, der als Inhaber in vierter Generation natürlich selber beim Kramermahl speist. Das ist gut so, denn längst nicht jeder Gast kann mit einer Tabakspfeife umgehen. Nicht wenige linsen dann rüber zum Fachmann und schauen, wie er es macht.
„Da mokiert sich keiner. Der zurückhaltende, bewusste Umgang mit dem Tabak wird gewürdigt.“
Die Pfeife selbst ist eine „Lesepfeife“, also eine klassische Pfeife aus dem Wurzelholz der Baumheide (Bruyère) mit einem extralangen Mundstück, die eigens für das Kramermahl bei der Nürnberger Firma Vauen bestellt wird. Ihre Form ist einer Ton- oder Gesteckpfeife nachempfunden. Die Pfeifenraucher bringen ihre Pfeife selbst mit. Wer keine hat, kann sie beim Kramermahl erwerben.
Nicht jeder Gast raucht, betont Fincke. Aber an fast jedem Tisch finden sich ein paar Traditionsfreunde – die entweder Pfeifenraucher sind, oder wirklich nur aus diesem Anlass schmauchen. Beschwerden von Nichtrauchern habe er beim Kramermahl nie erlebt: „Da mokiert sich keiner. Der zurückhaltende, bewusste Umgang mit dem Tabak wird gewürdigt.“
Kopfzerbrechen macht Daniel Fincke allenfalls eine mögliche Verschärfung der Nichtrauchergesetze, wie sie die Landesregierung planen soll. Dann wäre auch mit solchen Ausnahmen Schluss: „Es könnte das letzte Mal sein, dass beim Kramermahl geraucht wird.“
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