Mi., 21.03.2012

Der Abschied vom Hindenburgplatz Rat beschließt Umbenennung in Schlossplatz

Um 18.02 Uhr begann die Debatte, um 19.39 Uhr stand das Ergebnis fest: Münsters größter Parkplatz, der Hindenburgplatz, heißt ab sofort Schlossplatz.

Von Klaus Baumeister

Mit 53:23 Stimmen beschloss der Rat am Mittwochabend bei geheimer Wahl, die durch die CDU beantragt worden war, eine Umbenennung. Vier Ratsmitglieder fehlten. Die 23 Gegenstimmen dürften allesamt auf das Konto der CDU-Fraktion gehen, weil sie zuvor – anders als alle anderen Parteien – erhebliche Bedenken gegen eine Umbenennung geäußert hatte.

Folgen der Umbenennung

Das Tiefbauamt montiert die neuen Straßennamenschilder zusammen mit einem Zusatzschild, auf dem auf den alten Namen hingewiesen wird. Das alte Schild bleibt zudem für eine Übergangszeit von einem Jahr zusätzlich vor Ort, der Straßenname bleibt rot durchgestrichen sichtbar. Betroffene Grundstückseigentümer erhalten von der Stadt ein Schreiben mit der neuen Adresse. Vermieter werden aufgefordert, ihre Mieter über die Adressänderung zu informieren.

CDU-Fraktionschef Heinz-Dieter Sellenriek wies denn auch darauf hin, dass selbst SPD und Grüne bei der Hindenburg-Debatte des Jahres 1998 gegen eine Umbenennung votiert hätten. Der GAL-Fraktionschef Hery Klas reagierte auf diesen Hinweis mit nachdenklichen Worten: „Stimmt, wir waren damals feige und ratlos.“

Dass die Debatte nicht zu einem Rechts-Links-Schlagabtausch verkam, war der FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff zu verdanken. In einem sehr fundierten Beitrag begründete sie einerseits das „Ja“ der FDP zu der Umbenennung, verwahrte sich zugleich aber gegen hämische Bemerkungen an die Adresse der CDU: „Die, die gegen die Umbenennung sind, sind trotzdem Demokraten.“

Zugleich spannte Möllemann-Appelhoff aber auch einen Bogen zu der „ungebrochenen demokratischen Tradition der SPD“. Die SPD hatte 2008 die am Mittwoch vollzogene Umbenennung beantragt. Über weite Teile der insgesamt sehr würdigen Ratsdebatte waren die Befürworter einer Umbenennung unter sich. So ging der SPD-Ratsherr Dr. Michael Jung ausführlich auf die Verfehlungen des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ein: „Hindenburg und Hitler kann man nicht trennen.“

Die GAL-Ratsfrau Prof. Brigitte Hansenjürgen meinte, die moderne Geschichtsforschung habe die Person Hindenburgs „entzaubert“. Er sei ein „Militarist und Monarchist“ gewesen. Mit seinem Plan der „nationalen Konsensregierung“ habe er Hitler den Weg geebnet.Sozialdemokraten, Grüne und Linke lobten Oberbürgermeister Markus Lewe für sein Engagement im Zusammenhang mit der Umbenennung, teilweise sogar sehr überschwenglich. Von der CDU erhielt Lewe kein Lob.

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