Di., 17.07.2012

Thorsten Trautmann ist ein „Poetry-Cop“ Worte sind seine beste Waffe

Thorsten Trautmann ist ein „Poetry-Cop“ : Worte sind seine beste Waffe

Weicher Kern hinter harter Schale. Polizeikommissar Thorsten Trautmann hat sein Notebook immer am Mann und wird in Einsatzpausen und nach Feierabend zum Poetry-Cop. Er kämpft für mehr Toleranz und Respekt unter den Menschen. Foto: Peter Sauer

Münster - 

Es war ein schrecklicher Anblick. Die Leiche des Mannes war aufgedunsen, komplett schwarz. Über 14 Tage saß der tote Mann in einer überheizten Wohnung, als Polizeikommissar Thorsten Trautmann mit seinen Kollegen eintraf. „Das Schlimmste aber ist der Geruch, den kriegt man nicht mehr aus der Nase“, erinnert sich der 42-Jährige. „Es ist, als ob jemand ein Kilo Hackfleisch über länger in der Sommerhitze stehen gelassen hat.“ Auch der nächste Einsatz geht an die Grenzen. „Gewaltbereite Jugendliche mit Migrationshintergrund, die denselben Respekt einfordern, den sie selber als Straßengang niemanden entgegen bringen wollen.“

Von Peter Sauer

Zehn Jahre in der Einsatzhundertschaft und jetzt als Polizist der Gutenberg-Wache muss Thorsten Trautmann täglich seinen ganzen Mann stehen. Der dreifache Familienvater erlebt zunehmend eine „wachsende Verrohung der Sitten und einen grassierenden Werteverfall“. Kein Zweifel, Trautmann macht seine Polizeiarbeit gerne. Doch die Schichten werden härter, die Straftäter rabiater. Immer mehr Kollegen werden beim Einsatz getötet, verletzt oder bedroht. „Das geht zunehmend an die Substanz“, sagt er. Manche seiner Kollegen suchen den Ausgleich im Sport, Trautmann in der Poesie. Denn er will in die Köpfe der Menschen – um etwas verändern zu können, auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Mit filigraner Feder formuliert der leidenschaftliche Maxiscooter-Fahrer feinfühlige und gesellschaftskritische Gedichte und Prosatexte. Das hätte er alles weiter für sich im stillen Kämmerlein gemacht, wenn da nicht seine beiden Söhne Patrick und Florian gewesen wären. Die schenkten ihm ein Buch von den Polizei-Poeten, einer bundesweiten Interessengemeinschaft. Trautmann heuerte sofort an, schrieb erste Verse, um sich dann selbstständig zu machen.

„Die meisten Kollegen schrieben sich nur den Frust von der Seele. Das ist eher was für Insider.“ Trautmann wollte aber echte Gedichte für jedermann schreiben, in Strophen- und Reimform. Seine Waffen sind Worte, die voll ins Schwarze treffen, aber nie lyrisch abgehoben oder kitschig sind: mal sanft, mal hart, nie aber verletzend. Als selbst ernannter „Poetry-Cop“ hinterfragt er auch sein eigenes Handeln selbstkritisch. Mit Erfolg. Zwischen Kiel und München wird seine Homepage regelmäßig angeklickt. Weil er auch privat hin- und nicht wegsieht und schreiende Ungerechtigkeiten sofort zu Papier bringt. Mal täglich, mal monatlich. Seine Werke sind geprägt von Nächstenliebe und Zivilcourage. Sein größtes Lob kommt von seiner siebenjährigen Tochter Marie. „Abends bittet sie mich, ihr lieber meine Gedichte vorzulesen als ein neues Kapitel von Bibi Blocksberg .“  

| www.poetry-cop.de  

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