So., 29.07.2012

Trotz 1,6 Milliarden Euro Schulen: Bochum baut Musikzentrum Bochum leistet sich Musikhalle

Münster - 

In Bochum wird Realität, was in Münster scheiterte: eine Musikhalle für 33 Millionen Euro.

Von Klaus Baumeister 

„Ja, da kommt Neid auf.“ Prof. Klaus Anderbrügge, Vorsitzender des in der Versenkung verschwundenen Vereines Musikhalle Münster , schaut derzeit sehr interessiert nach Bochum . Dort plant die Stadt für 33 Millionen Euro ein neues Musikzentrum .

Ganz anders die Blickrichtung des Bochumers Dr. Volker Steude : „Ach, hätten wir doch eine Diskussionskultur wie in Münster.“ Als Mitglied der Bochumer Piratenpartei möchte Steude das Musikzentrum gerne per Bürgerbegehren stoppen. Doch angesichts fehlender Mitstreiter bezweifelt er, die erforderlich Anzahl von 12 800 gültigen Protestunterschriften aufzubringen. „Das wird sehr schwer.“

Kein Vergleich jedenfalls zu der Bürgerinitiative „Münster minus Musikhalle“, die Anfang 2008 über 24 000 Unterschriften vorlegte und den anschließenden Bürgerentscheid haushoch gewann.

Der Rat der Stadt Bochum hat mit den Stimmen von CDU, SPD und der Liste „Freie Bürger“ die neue Kultureinrichtung am 5. Juli beschlossen und damit den Bochumer Symphonikern zu einer neuen Spielstätte verholfen. Weil die jahrelang leer stehende Marienkirche in das Bauvorhaben integriert wird und das Musikzentrum helfen soll, das benachbarten Kreativzentrum voranzutreiben, fließen 16,5 Millionen Euro Städtebaufördermittel aus Landes- und EU-Kassen in das Projekt. Ein Zuschuss, „von dem wir seinerzeit nur hätten träumen können“, ringt Musikhallenfreund Anderbrügge nach Worten.

Bei der Stadt Bochum selbst, die nach Auskunft ihrer Pressesprecherin Barbara Gottschlich mit 1,6 Milliarden Euro verschuldet ist, bleiben 2,4 Millionen Euro Investitionskosten und 300 000 Euro Betriebskosten jährlich hängen. Baubeginn soll 2013 sein.

Gottschlich geht nicht davon aus, dass das Projekt noch durch ein Bürgerbegehren gestoppt wird, zumal die Rechtsdezernentin Diane Jägers Zweifel an der Rechtmäßigkeit habe.

Derzeit warten Steude und seine Bürgerinitiative auf eine formelle Kostenschätzung der Stadtverwaltung. „Das dauert.“ Erst wenn diese vorliegt, beginnt die Drei-Monats-Frist zum Sammeln der Unterschriften.

Auch in Bochum wurde viel darüber diskutiert, ob man sich die neue Kultureinrichtung überhaupt leisten kann. Immerhin ist der Bochumer Schuldenberg mit 1,6 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie der münsterische.

Die öffentliche Anerkennung erhielt das Musikprojekt in Ruhrgebiet durch 14,6 Millionen Euro Spenden, die eingeworben wurden. In Münster sollten es 18 Millionen sein. Aber dann kam ja der Bürgerentscheid . . .

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