Do., 02.08.2012

Lebensmittelüberwachung Politische Pizzakartons gegen Hindenburg sind vorerst verboten

Lebensmittelüberwachung : Politische Pizzakartons gegen Hindenburg sind vorerst verboten

Wegen Hindenburg auf dem Pizzakarton kam die Lebensmittelüberwachung zu Giuseppe Tedesco. Foto: Werner

Münster - 

Zufall ist es nicht, dass die Lebensmittelüberwachung diese Woche gleich zweimal bei Giuseppe Tedesco vorstellig geworden ist. Und das hängt mit seinem Engagement gegen Hindenburg zusammen. Der Inhaber der Pizzeria Peppino lässt einen Teil seiner Pizzen in vom Künstler-Duo „JaePas“ gestalteten Kartons verteilen. Diese Verpackung könnte nun zum „corpus delicti“ werden . . .

Von Gerhard H. Kock

 

Das Kunstprojekt

Das Künstlerduo JaePas im Rahmen bedruckte im Rahmen des Kunstprojektes „Sozialpalast 2012“ 1000 Pizzakartons von Peppinos-Pizza-Lieferservice an der Gartenstraße 51. Von außen ganz unscheinbar, entfalten die Kartons erst beim Öffnen politische Dimensionen. Auf dem Innendeckel steht der verballhornende Schriftzug „La deutsche Vita“. Sobald man die Pizza anknabbert, erscheint im „Dalli-Klick“-Stil nach und nach ein siebgedrucktes Foto auf der Unterseite der Verpackung. Es zeigt den 21. März 1933, den Tag von Potsdam. In der Garnisonskirche besuchen Reichspräsident Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler gemeinsam einen Gottesdienst zur Eröffnung des gewählten Reichstages.

Alles der Reihe nach

Nach der Aktion im Rahmen des Kulturprojektes „Sozialpalast“ habe am Montag das Lebensmittelüberwachungsamt vor seiner Tür gestanden. „Ich dachte, das sei die übliche jährliche Kontrolle.“ Doch die Kontrolleure kamen wegen der politisch bedruckten Kartons. Der Sizilianer nahm es sachlich und demonstrierte den beiden, dass selbst der heiße Dampf der Kaffeemaschine nicht in der Lage ist, die Farbe zu lösen, weil ja eine Folie zwischen der Pappe und der Pizza liegt. „Sie sahen das und haben gesagt: in Ordnung.“

Doch gestern Morgen waren die beiden wieder da. „Buon giorno!“, habe er freundlich erstaunt gegrüßt. „Wir müssen zwei Kartons mitnehmen, um sie analysieren zu lassen“, zitiert Tedesco die Kontrolleure. Und fragte die beiden: „Sind Sie geschickt worden?“ Das hätten diese bejaht. Tedesco nahm Kontakt zu der weltweit operierenden Firma „Pappstar“ auf, und die bestätigte ihm, dass die Kartons 100 Prozent dicht seien.

Langer Rede kurzer Sinn

Es nützt alles nichts. Die Kunstaktion ist gestoppt. „Ich darf jetzt diese Kartons nicht mehr rausgeben.“ Aber der Pizzabäcker hat ja noch die unpolitischen Kartons. Bernd Dreyer vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt bestätigt die Kontrolle, kann sich aber zu Details nicht äußern: „Wir dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts sagen, weil das ein laufendes Verwaltungsverfahren ist.“

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