Sa., 25.08.2012

Neues Netzwerk unterstützt in Münster hochbegabte Kinder Die Schlauen haben es oft schwer

Münster - 

In Münster gründet sich ein Netzwerk zur Unterstützung hochbegabter Kinder. Unterstützt von der Stadt, arbeiten alle mit dem Thema befassten Vereine und Institutionen zusammen.

Von Karin Völker

Eltern eines hochbegabten Kindes zu sein, das klingt für alle, die damit keine Erfahrung haben, gar nicht so schlecht. Christiane Weber-Steinhaus und Birgit Hagenhoff aber wissen, was es bedeutet, wenn dem Nachwuchs mehr als 130 Intelligenzpunkte bescheinigt werden: Depressionen, Kontaktstörungen, auffälliges soziales Verhalten in der Schule.

Hochbegabung

Als hochbegabt gelten Menschen, deren Intelligenzquotient höher liegt als 130. Es betrifft statistisch zwei Prozent der Bevölkerung, in Münster errechnet ungefähr 600 Kinder und Jugendliche. Die Schwierigkeiten mit der Entwicklung der Kinder beginnt in aller Regel mit dem Eintritt in die Schule. Zum einen langweilen sich dort die Kinder, weil sie oft schon von selbst lesen und rechnen gelernt haben, Zum anderen bekommen sie deswegen mit Lehrern aber auch Gleichaltrigen Konflikte, erleben sich selbst als Sonderlinge.

Der Sohn von Christiane Weber-Steinhaus wird bald das Abitur machen – fühlt sich inzwischen an seiner Schule gut aufgehoben und studiert schon nebenbei an der Universität. „In seiner Grundschulzeit war er total unglücklich“, erinnert sich die Mutter. Auch die Tochter von Birgit Hagenhoff hadere inzwischen nicht mehr mit ihrer besonderen Fähigkeit, sich alles sofort merken zu können, sich nichts notieren zu müssen und über viele Dinge schon wie eine Erwachsene nachdenken zu können, „während sie emotional eben erst ein Teenager ist“, sagt die Mutter.

Beide Familien haben viele Hilfen von Institutionen in Münster in Anspruch genommen und sich im Verein „Mehr Chancen für hochbegabte Kinder“ engagiert. Alle Organisationen und Vereine, die die Förderung hochbegabter Kinder zum Ziel haben, sind nun in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Das Netzwerk bekommt in der schulpsychologischen Beratungsstelle ein Büro und wird dort Beratung für betroffene Familien und für Kehrer anbieten.

Die Stadt Münster kanalisiert damit ihre Fördermittel in Höhe von jährlich 25 000 Euro in das neue „Netzwerk Begabungsförderung“, nachdem früher nur der Verein „Esca Mentis“ städtisches Geld erhalten hatte. Als Berater und Mediator in den oft schwierigen Schulsituationen der Kinder engagiert sich der ehemalige Leiter des Gymnasiums Kinderhaus, Heinz Beumer.

Im Boot sind auch das Internationale Centrum für Begabungsforschung an der Universität Münster und die schulpsychologische Beratungsstelle sowie vier Vereine, die sich die Förderung besonders intelligenter Kinder auf die Fahnen geschrieben haben.

Es habe sich Vieles durch den Ansatz der individuellen Förderung in den Schulen zum Besseren gewendet, sagen die beiden Mütter. Doch wirklich individuell könne Förderung bei der realen Ausstattung der Regelschulen nicht sein. So blieben Kinder mit besonderen Begabungen immer noch häufig auf der Strecke, entwickelten psychologische Probleme.

Die Beratung durch das Netzwerk soll Eltern die Orientierung im Dschungel des Problems „Hochbegabung“ erleichtern, Diagnose und Hilfen vermitteln, Zu letzteren gehören viele Angebote, vom Chinesisch-Kursus bis zum Zoobesuch gemeinsam mit anderen besonders begabten Altersgenossen. Zum Netzwerk „Begabungsförderung Münster“ gehören neben den Genannten die Vereine „Freunde hochbegabter Kinder“, „Mensa in Deutschland“ sowie der Kompetenzteam für die Stadt Münster.

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