Mi., 21.11.2012

Streit und Beleidigungen Moschee: Baupläne sorgen für Zündstoff

Streit und Beleidigungen : Moschee: Baupläne sorgen für Zündstoff

Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Das Thema Moscheebau auf dem Gelände der Universität wirbelt mächtig Staub auf: Die Partei die Linke will das Thema jetzt in den städtischen Gremien auf die Tagesordnung bringen. Währenddessen liefert sich der Sprecher der Universität, Norbert Robers, wegen eines Kommentars in der internen Uni-Zeitung mit dem prominenten Journalisten Henryk M. Broder ein publizistisches Scharmützel.

Von Karin Völker

Die Pläne zum Bau einer Moschee am Zentrum für islamische Theologie der Universität sorgt weiterhin für Zündstoff .

Rüdiger Sagel, für die Partei „Die Linke“ Mitglied im Planungsausschuss, will das Thema dort offiziell auf die Tagesordnung bringen und hat einen Fragenkatalog an die Stadt gerichtet. Er will unter anderem geklärt wissen, ob die Werkstatt-Gebäude am Bispinghof, wo die Moschee möglicherweise gebaut werden soll, unter Denkmalschutz stehen. Die Linken vertreten die Auffassung, dass eine Moschee auf dem Gelände einer staatlichen Hochschule nichts zu suchen habe.

Prinzipielle Kritik am Zentrum für islamische Theologie übt weiter die Gruppe „Free Minds“. Hier sind im wesentlichen Studentinnen aus muslimischen Familien aktiv, die frauenfeindliche Tendenzen im Islam anprangern – teils aus persönlicher Erfahrung in ihren Familien. Sie befürchten, das Zentrum für islamische Theologie biete islamisch-fundamentalistischen Strömungen eine Heimat – und protestierten bei der Eröffnung des Zentrums verschleiert vor dem Schloss.

Rektorin Ursula Nelles persönlich wies die Demonstrantinnen vom Gelände, und ihr Sprecher Norbert Robers nannte die „Free Minds“ jetzt in einem Leitartikel in der Zeitung der Uni „selbst ernannte Freigeister“. Eine Etikettierung, wegen der er nun auch vom prominenten Journalisten Henryk M. Broder angegangen wird. Der für seine Polemiken gegenüber dem Islam und allgemein als wenig harmoniebedürftig bekannte Autor lieferte sich mit Robers wegen der Formulierung einen harschen Mail-Verkehr – nachzulesen im Internet-Auftritt der Free Minds, „mit freundlicher Genehmigung von Henryk Broder“.

Da beschimpft Broder den Unisprecher als „selbst ernannte Knalltüte“, später als akademisches Spatzenhirn.

Den scharfen Ton schlug der für die „Welt“ schreibende Journalist an, nachdem der Uni-Pressesprecher ihn gefragt hatte, ob er seine Stellungnahme als Zitat in den Medien verwenden wolle. Das brachte Broder so richtig auf die Palme: „Sie haben zwei Antworten parat – eine zitierfähige und eine private, so habe man es im real existierenden Sozialismus gehandhabt“, ätzte er. Auf eine ebenfalls auf der Internetseite der Free Minds veröffentlichten Presseanfrage hin betonte Broder, er nehme Anstoß an de Formulierung selbst ernannt“, als gäbe es in Deutschland eine Stelle, die Kritiker ernennen würde. Und weiter: „Mein Beruf ist es, Öffentlichkeit herzustellen. ich bin ein selbst ernannter Öffentlichkeitshersteller. In einem Land wie der BRD braucht niemand dazu eine Erlaubnis. Rudolf Augstein ist dafür ins Gefängnis gegangen. Ich ziehe nur einem selbstgefälligen Apparatschik die Strampelhosen runter. Aber auch das macht großen spaß und ist ein Beitrag zur Transparenz.“

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1284428?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F1753906%2F