70. Jahrestag der Apokalypse
In der Schlacht um Stalingrad starben viele zuvor in Münster stationierte Soldaten

Münster -

Heute vor 70 Jahren ging die Schlacht um Stalingrad zu Ende. Als Speerspitze der 6. Armee galt die 16. Panzerdivision der Wehrmacht, die vor dem Angriffskrieg in Münster stationiert war. Noch heute erinnert hier ein Denkmal an die Soldaten, von denen nur wenige überlebten.

Samstag, 02.02.2013, 10:02 Uhr

70. Jahrestag der Apokalypse : In der Schlacht um Stalingrad starben viele zuvor in Münster stationierte Soldaten
Zerstörung und unermessliches Elend: Deutsche Soldaten verlassen als Kriegsgefangene nach der Kapitulation der 6. Armee Stalingrad. Foto: dpa

Sie trafen sich bis in die 90er Jahre hinein immer wieder in Münster . Es waren nur sehr wenige Männer übriggeblieben von der ehemaligen 16. Panzer-Division der deutschen Armee, die bei der Schlacht um Stalingrad gekämpft hatte. Münster war Heimatsitz dieser 16. Panzerdivision , die als die Speerspitze der sechsten Armee galt. Am Morgen des 2. Februar 1943, heute vor 70 Jahren, ergaben sich auch die restlichen Soldaten der 16. Panzerdivision. An die militärische Einheit erinnert bis heute in Münster ein Denkmal. Es steht in der Nähe der Einmündung der Münzstraße in den Schlossplatz unscheinbar jenseits eines kleinen Parkplatzes.

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Die Apokalypse

Nach dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion und dem Vormarsch beginnt im Frühherbst 1942 der Kampf der 6. Armee der Wehrmacht um Stalingrad. Nachdem die Deutschen  große Teile der Stadt eingenommen haben, werden sie von der Roten Armee großräumig  eingekesselt. Kämpfe, Hunger und Kälte im russischen Winter  zwangen die Deutschen zur Kapitulation. Stalingrad gilt als Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges. Das Morden dauerte noch zwei weitere Jahre an.

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Eine intensive Recherche

Winfried Nachtwei , bis 2009 grüner Bundestagsabgeordneter Münsters, zeitweise Vorsitzender des Verteidigungsausschusses der Bundesregierung, Geschichtslehrer, engagiert in der Erforschung der NS-Geschichte und Vorstandsmitglied des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ wurde erst auf den münsterischen Aspekt innerhalb der Geschichte der Schlacht um Stalingrad aufmerksam, als keine Zeitzeugen mehr auffindbar waren. Zum Jahrestag des Endes der Schlacht, bei der rund 700 000 Menschen, überwiegend russische Soldaten und Zivilisten, starben, hat Nachtwei intensiv recherchiert, Dokumente und Literatur zusammengestellt. Und stieß dabei auf Hermann Strotmann.

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Berichte von Zeitzeugen

Der damals 25 Jahre alte Münsteraner und gelernte Bankangestellte Leutnant und Adjutant überlebte immerhin das Ende der Schlacht. „Der Mensch kommt an die Grenze seiner Möglichkeiten und diese Grenze war am 2. Februar erreicht. Wir ergaben uns. (...) ich begann zu weinen, ging aus dem Unterstand heraus und legte die Waffe nieder“, gab er beim Verhör als Kriegsgefangener der sowjetischen Armee zu Protokoll. Was Strotmann, der als Heimatadresse die Hermannstraße 50 angegeben hatte, mit „Grenzen der Möglichkeiten“ beschreibt, ist ein apokalyptisches Grauen, das unter anderem Theodor Plivier, während der NS-Zeit deutscher Exilant in der Sowjetunion, 1946 in seinem Roman „Stalingrad“ nach Gesprächen mit Überlebenden beschrieben hat.

Die Soldaten der Wehrmacht seien „Mitmarschierer und Mittäter".

Winfried Nachtwei

Zehntausende Soldaten, viele verwundet, verhungerten und erfroren. Von den rund 230 000 Soldaten der Wehrmacht und ihrer Verbündeten waren im Februar 1943 146 000 tot, von den rund 91 000, die entkräftet in Kriegsgefangenschaft gingen, starben später viele. Nur 128 Soldaten der ehemals über 10 000 Mann starken 16. Panzerdivision kehrten nach Jahren der Gefangenschaft in die Heimat zurück, hat Nachtwei recherchiert.

Zwiespätiges Erinnern

„Das Erinnern an die Kriegsgeschichte von Stalingrad bleibt für Nachtwei zwiespältig: Die Soldaten der Wehrmacht seien „Mitmarschierer und Mittäter“, in Stalingrad Opfer gewesen. „Der deutsche Angriffs- und Vernichtungskrieg fiel hier vor allem auf die einfachen Soldaten zurück“, resümiert Nachtwei. Bis in die 80er Jahre waren Batallione der Bundeswehr Traditionsträger von Regimentern der 16. Panzerdivision, darunter auch zwei in Handorf stationierte Einheiten. Auch sie sind im Rahmen des Truppenabbaus der Bundeswehr heute aufgelöst.

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