Bloß keine Risiken eingehen
Dr. Hagemann zeigt neue Wege für mehr Sicherheit auf

Münster -

Dr. Hermann Hagemann hat Strategien entwickelt, die verhindern sollen, dass Mitarbeiter von Behörden Opfer von Gewalt werden. Er hat ein Seminar ausgearbeitet, nachdem eine Mitarbeiterin eines Jobcenters im vergangenen Jahr in Neuss ermordet wurde.

Donnerstag, 07.03.2013, 06:03 Uhr

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Es kann ein Blick sein, der einen verängstigt. Oder die Stimme, die lauter und schriller wird. Wie schnell kann es zu Übergriffen kommen, wenn Zorn überschäumt. Da heißt es, bloß keine Risiken eingehen. Dies gilt besonders für Mitarbeiter von Behörden wie Jobcentern , Jugend- und Sozialämtern.

„Hass baut sich schnell auf, wenn sich ein Kunde gekränkt fühlt“, weiß Dr. Hermann Hagemann . Seit vielen Jahren ist er im Konfliktmanagement tätig. Gibt Seminare in Jobcentern und bei den Stadtwerken. Der Kommunikationstrainer, Coach und Psychotherapeut setzt auf Gefahrenabwehr mit Herz und Verstand und eröffnet in einem von ihm entwickelten Seminar deutschlandweit neue Wege für mehr Sicherheit.

Ob Richter und Staatsanwälte, Mitarbeiter aus Ordnungsämtern, Politessen Ärzte aus Gesundheitsämtern, Stadtwerken und Unternehmen im Konfliktmanagement – an diesen Adressen referiert Hermann Hagemann die drei Faktoren des Aufbaus von Gewalt und entwickelt mit den Teilnehmern psychologische Strategien zur Gefahrenabwehr.

Der tödliche Ausgang für eine junge Mitarbeiterin im Jobcenter Neuss im vergangenen Jahr ließ Hagemann keine Ruhe. Er arbeitete ein Seminar aus, dass auch Rollenspiele beinhaltet. „Die Gewalt ist erschreckend, und viele Mitarbeiter in Behörden haben Angst“, sagt Hagemann. Die Tat sei meist das Ergebnis schlecht gelaufener Kommunikation. „Viele Täter fühlen sich zutiefst gekränkt, haben eine Mordswut auf Mitarbeiter in Behörden und fühlen sich dann berechtigt, Gewalt anzuwenden.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob eine Kränkung stattgefunden habe oder der Kunde sich diese nur einbilde, wie es in Neuss der Fall gewesen sei.

In seinen Seminaren schult der Kommunikationstrainer Sensibilität. Die Mitarbeiter müssen sich selbstkritisch fragen, ob sie unnötig oder unbewusst kränken. Wut, Ärger, Aggression – nur der Bruchteil einer Sekunde genüge, um in der Mimik zu erkennen, welche Emotionen hochkochen. Da heißt es, die eigenen Sinne zu schärfen und die Angst ernst zu nehmen. Gefahren könne man auch erlauschen, selbst der Geruchssinn spiele eine unterbewusste Rolle.

Auch was es beim Kundenkontakt mit Menschen anderer Kulturen zu beachten ist, legt er den Seminarteilnehmern ans Herz. So fühlten sich manche durch ein Lächeln gekränkt, oder dadurch, als Mann nicht für ihre Frau sprechen zu dürfen. „Manchmal wirken Menschen auf andere nur gefährlich. In Wirklichkeit verhalten sie sich nur anders und damit missverständlich.“ Mitarbeiter müssten ihren eigenen Stresstyp kennen. Da gibt es den passiven Typ, der nach Hilfe schreit und den anderen, der sich bei Gefahr aufbäumt. Wichtig seien gesicherte Büros mit Alarmsystem sowie ein zweiter Mitarbeiter im Raum. Spitzt sich die Situation zu, sollte man runterfahren, und wenn es über den Kopf wächst, den Raum verlassen, rät der Experte.

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