Do., 20.06.2013

Geplanter Gefängnis-Neubau Naturschutzbund wettert gegen den JVA-Standort in Handorf

Geplanter Gefängnis-Neubau : Naturschutzbund wettert gegen den JVA-Standort in Handorf

Für den Naturschutzbund ist die geplante Baufläche der JVA Münster das ökologische Tafelsilber der Stadt. Foto: Oliver Werner

Münster-Handorf - 

Ein öffentliches Grundstück, weit entfernt von der nächsten Wohnbebauung – was spricht eigentlich dagegen, auf dem alten Truppenübungsplatz Handorf ein neues Gefängnis zu bauen? „Der Naturschutz“, sagen die Experten vom Nabu. Das Gelände gehöre zum „ökologischen Tafelsilber“ der Stadt.

Von Lukas Speckmann

Peter Hlubek hört die Nachtigall nicht trapsen, er hört sie singen. „Im Mai war die Luft hier voll von ihrem Gesang“, sagt der münsterische Nabu-Vorsitzende. Die Nachtigall lebt in einem Silberweiden-Mischgehölz unweit der Kötterstraße, in dem die Experten des Nabu auch Baumpieper und Kleinspecht beobachtet haben. „Wir wissen hier sehr gut Bescheid über das Vorkommen an Pflanzen und Tieren“, bestätigt Dr. Thomas Hövelmann von der Nabu-Naturschutzstation Münsterland. Na, dann ist ja alles in Ordnung . . .

Nein, nichts ist in Ordnung für die Naturschützer, seit sie erfahren haben, dass ausgerechnet hier die neue Justizvollzugsanstalt Münster gebaut werden soll. „Das beweist, dass das Thema Naturschutz bei der Standortsuche überhaupt keine Rolle gespielt hat“, sagt Hövelmann. „Die Gegend östlich von Handorf ist von der naturräumlichen Ausstattung das Beste, was wir in Münster haben – neben Rieselfeldern, Davert, Hoher Ward und Vorbergshügel.“ Gewissermaßen das ökologische Tafelsilber der Stadt.

Das Besondere an diesem Naturraum? „Ein großer, zusammenhängender Komplex bis hin zur Ems, der nie landwirtschaftlich genutzt worden ist“, sagt der Naturschützer: „Einfach unberührte Natur.“ Der ebenso feuchte wie magere Boden garantiere Arten- und Blütenreichtum. Also gibt es viele Insekten wie Schmetterlinge und Libellen, also gibt es viele seltene Vögel wie Zwergtaucher oder Schnatterente. Die „Leitart“ allerdings sei der Wespenbussard, der sich in dieser authentischen Parklandschaft genauso wohlfühlt wie etwa die Ringelnatter. Deren Leibspeise ist übrigens der Laubfrosch, und auch den gibt es praktisch nur noch hier . . .

Dass der zwölf Hektar große JVA-Komplex doch nur am Rand des Gebiets errichtet werden soll, wollen die Naturschützer nicht gelten lassen. Der eingangs erwähnte Silberlinden-Wald würde dem Neubau unmittelbar zum Opfer fallen. Außerdem müsste das Baugrundstück trockengelegt werden, und wer weiß, ob damit nicht auch dem benachbarten Naturschutzgebiet „Feuchtgebiet Handorf“ das Wasser abgegraben würde. Nicht zu reden vom Verkehr und der 24-Stunden-Beleuchtung. „Muss es ausgerechnet dieser jungfräuliche Boden sein?“, fragt Peter Hlubek empört. Stünde nicht auf dem 150 Hektar großen Kasernengelände genug Platz zur Verfügung?

Die Einflussmöglichkeiten der Naturschützer seien im Fall JVA begrenzt. „Durch die Art des Planverfahrens haben wir hier kein Klagerecht“, betont Hövelmann. Man könne nur Aufklärung betreiben. Ein Erfolg wäre es aus seiner Sicht schon, wenn die Stadt dem Neubau das gemeindliche Einvernehmen versagen würde – was auch die Chancen klagender Anwohner verbessern könnte. Der „Hauptstadt der Biodiversität“ stünde eine solche Haltung gut zu Gesicht, meinen die Naturschützer.

Zum Thema

Die Bezirksvertretung Ost befasst sich heute um 17 Uhr in der Mehrzweckhalle Gelmer mit dem Thema JVA-Standort Handorf.

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»Die Gegend gehört von der naturräumlichen Ausstattung zum Besten, was wir in Münster haben.«

Dr. Thomas Hövelmann, Nabu

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