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Psychologe Mitja Back untersucht selbstverliebte Menschen

Münster -

Charmant und durchsetzungsfähig oder arrogant und egozentrisch? Eine Forschergruppe um die Psychologen Prof. Dr. Mitja Back und Dr. Albrecht Küfner von der Universität Münster hat nun neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die paradoxe Eigenschaften narzisstisch veranlagter Menschen erklären.

Freitag, 13.09.2013, 16:09 Uhr

Ob Modedesigner Harald Glööckler wirklich so selbstverliebt ist, wie es hier aussieht, ist nicht bewiesen: Narzisstische Menschen haben es jedenfalls nicht immer leicht.
Ob Modedesigner Harald Glööckler wirklich so selbstverliebt ist, wie es hier aussieht, ist nicht bewiesen: Narzisstische Menschen haben es jedenfalls nicht immer leicht. Foto: dpa

Sie sind schillernde Persönlichkeiten: Narzissten wirken einerseits oft faszinierend und anziehend auf andere Menschen. Sie machen einen charmanten Eindruck und haben häufiger Führungspositionen inne. Auf der anderen Seite sind sie unangenehm. Ihnen sind die Bedürfnisse anderer Menschen egal, sie überschätzen ihren Beitrag zu gemeinsamen Leistungen, sind arrogant und provozieren Konflikte. Eine Forschergruppe um die Psychologen Prof. Dr. Mitja Back und Dr. Albrecht Küfner von der Universität Münster hat nun neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die diese paradoxen Effekte erklären.

Demnach lassen sich zwei Seiten von Narzissmus unterscheiden: das narzisstische Bedürfnis nach Bewunderung, welches mit einem selbstbewussten und charmanten Auftreten einhergeht, und die narzisstische Rivalität. Letztere ist mit der Abwertung anderer Personen und aggressivem Verhalten verbunden, besonders nach Kritik.

In einer Reihe von Studien haben die münsterischen Psychologen gemeinsam mit Kollegen zeigen können, dass die zwei Seiten von Narzissmus zwar miteinander einhergehen, jedoch unterschiedliche Auswirkungen auf soziale Begegnungen und soziale Beziehungen haben. Ein erhöhtes Bedürfnis nach Bewunderung ist mit größerem Selbstbewusstsein, positiverer Stimmung und höherer Beliebtheit verbunden. Demgegenüber führt narzisstische Rivalität zur Abwertung anderer, einer geringeren Beliebtheit in sozialen Gruppen und mehr Konflikten in Freundschaften, aber auch in romantischen Beziehungen.

„Diese Befunde verdeutlichen, dass Narzissten zwei Gesichter haben. Eine Hälfte der Persönlichkeit ist durch Selbsterhöhung auf der Suche nach Bewunderung gekennzeichnet. Die andere versucht, fehlender Anerkennung und Kritik durch die Abwertung anderer entgegenzutreten“, erklärt Mitja Back. „Beide Strategien dienen den Narzissten dazu, ihre vermeintliche Großartigkeit aufrechtzuerhalten. Sie sind aber unterschiedlich effektiv. Je nachdem, welche der zwei Seiten in einem sozialen Kontext stärker zum Ausdruck kommt, ist Narzissmus mit sozialem Erfolg oder mit Unbeliebtheit verbunden.“

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