Mi., 25.09.2013

Unentgeltliche Hilfe Syrischer Widerstandskämpfer erhält in Münster neues Bein

Omar Al Hariri geht mit seiner neuen Prothese. Veit Biedermann (l.) hat sie gebaut.

Omar Al Hariri geht mit seiner neuen Prothese. Veit Biedermann (l.) hat sie gebaut. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Eine Panzergranate zerfetzte in Damaskus das rechte Bein von Omar Al Hariri. Durch Vermittlung des deutsch-syrischen Vereins hat der 28-jährige Syrer jetzt in Münster eine Prothese bekommen. Das Sanitätshaus Kellner hat das technisch ausgefeilte Ersatzbein kostenlos hergestellt. 

Von Karin Völker

Veit Biedermann hat in seinem langem Berufsleben gelernt, wem er wirklich hilft mit seiner Arbeit. Omar Al Hariri gehört unbedingt dazu. „Schade, dass er nicht hier bleibt“, bedauert Biedermann, „ich würde ihn zu einem richtigen Läufer machen.“ Biedermann, Orthopädietechniker im Sanitätshaus Kellner, hat eine Beinprothese in der Hand – es ist das neue rechte Bein von Omar Al Hariri.

Sein richtiges Bein hat der junge Mann aus Syrien vor zehn Monaten verloren. 15. November 2012: Eine Panzergranate schlägt in Damaskus gleich neben ihm ein. Das zerfetzte Bein wird ihm in einem Notlazarett amputiert. „Keine fachmännische Operation“, sagt Mohammad Al Hariri an diesem Dienstagmorgen im Sanitätshaus an der Robert-Bosch-Straße. Der syrische Arzt aus Münster ist nicht verwandt mit Omar. „Al Hariri ist in Syrien ein Name wie Schmidt oder Meier bei uns“, erklärt er. Mohammad Al Hariri engagiert sich für den „Deutsch-Syrischen Verein“, gegründet 2011, nachdem die Kämpfe in Syrien begonnen hatten.

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Ich würde ihn zu einem richtigen Läufer machen.

Veit Biedermann

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Omar Al Hariri ist auf Initiative und Kosten des Vereins nach Deutschland geflogen, Die etwa 9000 Euro teure Prothese hat das Sanitätshaus unentgeltlich hergestellt, auch das Clemenshospital hat dem Syrer Granatsplitter aus dem rechten Beim herausoperiert, ohne dafür Geld zu verlangen. Mohammad Al Hariri brauchte nur wenig Überredungskunst: „Ich musste nur einmal hier anrufen, da hatte ich schon die Zusage, dass Omar eine Prothese bekommt“, freut er sich.

Verein hilft Opfern

Der „Deutsch-Syrische Verein zur Förderung von Freiheiten und Menschenrechten“ unterstützt den Kampf für die Demokratie in Syrien. Er leistet humanitäre Hilfe in Syrien und den Nachbarländern Türkei und Jordanien und organisiert medizinische Behandlungen in Deutschland.

Omar Al Hariri ist aus Jordanien nach Münster gereist. In dem Nachbarland Syriens lebt er als Flüchtling. Zum Glück zusammen mit seiner Familie: Seine Frau und die 16 Monate alte Tochter Balut konnten mit ihm flüchten, auch die Eltern und ein Bruder.

Vor der Revolution war Omar A Hariri Berufssoldat in Syrien. „Ich habe als Soldat geschworen, das syrische Volk zu beschützen“, erzählt er. Nun sollte er Menschen aus dem eigenen Land töten. „Ich musste desertieren“, sagt er. Omar schloss sich der freien syrischen Armee an, kämpfte gegen die Assad-Truppen. Bis die Panzergranate ihn verletzte.

In der nächsten Woche fliegt er zurück nach Jordanien, zur Familie. „Ich hoffe so sehr, dass wir bald in die Heimat zurückkehren können“, sagt er. Mohammad Al Hariri, der in Münster lebende Namensvetter, ist skeptisch. Er versucht vorerst den Opfern des Krieges zu helfen. Demnächst soll wieder ein Verletzter kommen. Er hat die Hände verloren.

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