Di., 22.10.2013

Stadt verwahrt sich gegen Hartz-IV-Glosse in der Zeitschrift „Freitag“ „Menschen werden in Angst und Schrecken versetzt“

Die Stadt Münster  ist über die Glosse „Hartz-freie Zone“ in der aktuellen Online-Ausgabe der Berliner Zeitschrift „Freitag“ empört.

Die Stadt Münster  ist über die Glosse „Hartz-freie Zone“ in der aktuellen Online-Ausgabe der Berliner Zeitschrift „Freitag“ empört. Foto: Screenshot

Münster - 

Es soll eine Glosse sein: Die Stadt Münster will angeblich Hartz-IV-Bezieher aus der Innenstadt verdrängen. Doch viele Leser nehmen den sachlich geschriebenen Text für bare Münze und beschweren sich bei der Stadt.

Von Lukas Speckmann

Stadt-Sprecher Joachim Schiek spricht von einem „üblen Schabernack“: In der Online-Ausgabe des Magazins „der Freitag“ ist eine Glosse erschienen, die im Stil eines seriösen Nachrichten-Beitrags die Meldung verbreitet, dass die Stadt Münster Hartz-IV-Empfänger aus Wohnungen in der Innenstadt verdrängen wolle.

Bei der Stadtverwaltung seien daraufhin mehrere Beschwerden eingegangen, sogar eine Strafanzeige sei angekündigt worden. „Ich habe hier Menschen am Telefon gehabt, die des Lesens durchaus kundig sind – und auch die haben den Hinweis überlesen, dass es sich um eine Glosse handelt“, berichtet Schiek.

Als der Artikel in der Stadtverwaltung bekannt wurde, habe man noch gehofft, dass das Ganze keine Wellen schlagen würde. Doch als immer mehr empörte Reaktionen eintrafen, habe man sich zur Stellungnahme entschlossen: „Wir müssen klarstellen, dass es sich um einen üblen Scherz handelt.“

Der fragliche Artikel behauptet, die Wohnungsnot treibe die Stadtverwaltung zu einer drastischen Maßnahme: „Langleistungsbezieher“ im „städtischen Kerngebiet“ sollen aufgefordert werden, aus ihren teuren Wohnungen auszuziehen und sich Quartier in entfernten Stadtteilen zu suchen, wo der Wohnraum günstiger sei. Die Innenstadt solle zur „No-go-Area für Hartz-IV-Empfänger“ werden.

Glaubwürdig erscheint das Ganze nicht nur durch seinen sachlichen Stil. Auch die Namen der Funktionsträger aus Verwaltung und Politik stimmen – sieht man davon ab, dass der Stadtdirektor zum Kämmerer gemacht wird. Sogar vermeintlich empörte Reaktionen der Umlandgemeinden, Wohlfahrtsverbände und Parteien sind aufgeführt.

„Das ist zwischen hinterhältig und bösartig“, sagt Joachim Schiek. Weil der Artikel den Anschein erwecke, Tatsachen zu berichten, würden Menschen in Angst, Schrecken und Empörung versetzt. Inhaltlich sei das Gegenteil richtig: Die Stadt Münster berücksichtige das überdurchschnittlich hohe Mietniveau und übernehme für Hartz-IV-Bezieher auch überdurchschnittlich hohe Mietkosten.

Weitere Reaktionen auf den Artikel seien nicht geplant. Schieks Rat: „Vergesst das Ganze.“

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