Sa., 30.11.2013

Was steckt hinter den Bräuchen? Der Nikolaus ist mehr als ein dicker Mann mit Bart

Der heilige Nikolaus - Figur am Horsteberg  

Der heilige Nikolaus - Figur am Horsteberg   Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Christliche Traditionen und Rituale verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Sie sind zwar in vielen Familien immer noch präsent, aber warum und welche Hintergründe sie haben, gerät mehr und mehr in Vergessenheit.

Christliche Traditionen und Rituale verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Sie sind zwar in vielen Familien immer noch präsent, aber warum und welche Hintergründe sie haben, gerät mehr und mehr in Vergessenheit.

Hasengebäck in der Adventszeit

Nicht verkaufte Schokoladen-Nikoläuse werden zu Osterhasen umgeschmolzen: Hartnäckig hält sich dieses Gerücht, obwohl Hersteller alljährlich auf die Unwirtschaftlichkeit einer solchen "Wiedergeburt" hinweisen. Aber zwischen Nikolaus und Hase gibt es tatsächlich eine Verbindung: "Hasen waren ein übliches Figurengebäck der Adventszeit, bevor sich der Stutenkerl allgemein durchsetzte", erläutert Sonja Böder von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). 
Die aus leicht gesüßtem Hefeteig gebackenen Hasen hatten etwa die Größe einer Männerhand und waren mit Rosinen verziert, wie Gewährsleute des Volkskundearchivs aus Kreuztal-Krombach und Littfeld im Kreis Siegen berichten. Der Begriff "Hase" umfasste aber auch andere Figuren, wie Hühner, Männer, Pferde und Reiter. Da die Herstellung der frei geformten Gebäcke nicht einfach war, wurden sie zumeist beim Bäcker gekauft. Für ein Hähnchen bezahlte man Anfang des letzten Jahrhunderts in Mettingen im Kreis Steinfurt zweieinhalb Pfennig und für ein Pferdchen fünf Pfennig.

Im Märkischen Sauerland waren bis zu einem halben Meter große Reiterfiguren beliebt, wie für Kierspe belegt ist. Hingegen bevorzugte man in Recklinghausen-Suderwich Enten, ein in Schneckenform gedrehtes Hefegebäck mit einem Kopf, der eine Korinthe als Auge hatte.
Korinthen und Rosinen waren für die Kinder sehr wichtig, da sie das tier- oder menschenähnliche Aussehen der Figuren verstärkten. Außerdem waren sie teuer und daher ein seltenes Vergnügen. 

Pfefferminztee in der Pfeife

Nicht weniger beliebt war die Tonpfeife, die der Stutenkerl häufig im Mund hat: "Die Pfeife wurde zum Seifenblasen benutzt, und größere Jungen rauchten darin wohl auch Pfefferminztee", erinnert sich ein Berichterstatter aus Coesfeld. 

Der Stutenkerl - auch Klaoskerl, Klogges, Klosmann oder Büxenwülfe genannt - konnte bis zu 50 Zentimeter groß sein und wurde in mehreren Tagen gegessen. Der Rest war dann oft ziemlich trocken, eben "So dröge as Sünteklaos' Äß".

Kultur-Importe aus den Niederlanden

"Spekulatius gibt es zu Weihnachten und Nikolaus. Ein Gabenteller ohne Spekulatius ist nicht vollwertig", betont eine Gewährsperson aus Holtwick (Kreis Coesfeld). Auch in den alten Spekulatiusformen haben Hasen, Enten, Pferde und Hähnchen ihren festen Platz, denn für das Mürbeteiggebäck wurden besonders Tiergestalten bevorzugt, wie in einem Bericht aus Atteln im Kreis Paderborn zu lesen ist. Wurden die Spekulatien zu Hause gebacken, kamen meist metallene Ausstecher zum Einsatz, während der Bäcker hölzerne Model benutzte.

"Spekulatius war das Hauptgebäck der Adventszeit, allerdings wurde die Bezeichnung erst im Laufe des 20. Jahrhunderts üblich", erklärt Böder. So heißt es im Siegeland "Konfekt", im Märkischen "Tedelittken" und in der Grafschaft Bentheim "Sünte-Klaos-Gut". Vermutlich hat sich der Spekulatius ebenso wie der Stutenkerl von den Niederlanden aus in Westfalen verbreitet.

Im Mindener Raum, wo der Spekulatius früher kaum bekannt war, gab es als besonderes Weihnachtsgebäck die "Weißen Bilder". Der Teig wurde ausgerollt und mit eisernen Formen ausgestochen, deren Motive denen der Spekulatien ähneln. Das Gebäck wurde dann bei geringer Hitze gebacken, damit es weiß blieb Anschließend wurden die Konturen der Figuren mit roter Farbe nachgezogen. "Der optische Genuss soll den geschmacklichen weit übertroffen haben", zitiert Böder die Quellen.

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