Do., 09.01.2014

Motorhaube, Stoßstange und Scheinwerfer abmontiert Gerupft wie ein Huhn: Diebe stehlen Lkw-Teile

Jan Kirchhoff sucht Zeugen: Schon zum zweiten Mal wurde ein Lkw auf seinem Firmengelände verstümmelt.

Jan Kirchhoff sucht Zeugen: Schon zum zweiten Mal wurde ein Lkw auf seinem Firmengelände verstümmelt. Foto: spe

Münster-Handorf - 

Der Lkw wirkt wie gerupft: Motorhaube, Stoßstange, Blinker, Scheinwerfer und Verkleidungen fehlen. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Monaten wurde die Firma Kirchhoff in Handorf von Einbrechern heimgesucht, die es auf kostbare Ersatzteile abgesehen haben. Offenbar kein Einzelfall.

Von Lukas Speckmann

Da war selbst der Kripo-Beamte sprachlos: „So was hab’ ich auch noch nicht gesehen“, soll der Ermittler gestaunt haben. Der Lkw wirkt wie gerupft. Motorhaube , Stoßstange , Blinker, Scheinwerfer und Verkleidungen wurden sauber abmontiert. Zum Glück hängt das Kennzeichen noch daneben, denn dessen Wiederbeschaffung hätte zusätzlich Zeit, Geld und Nerven gekostet.

Der Lkw stand auf dem Gelände der Firma Kirchhoff im Gewerbegebiet Gildenstraße – von der Warendorfer Straße aus gut zu sehen. Die Diebe kamen in der Nacht zu Dienstag, irgendwann zwischen 18 und 9 Uhr. Zum Abtransport der großen Fahrzeugteile müssen sie schon einen Transporter bereitgestellt haben.

Jan Kirchhoff würde sich über Hinweise an die Polizei (Telefon 2750) freuen, denn der Schaden ist beträchtlich. Die Reparatur übernimmt wohl die Versicherung – aber der Wagen fällt für mindestens eine Woche aus, und die Ware muss dringend ausgeliefert werden. Nicht zu vergessen der Aufwand für Transport, Verwaltung und Leihfahrzeug. Jan Kirchhoff rechnet mit einem Schaden von 5000 bis 6000 Euro – und er muss es wissen, denn genau das gleiche ist ihm vor drei Monaten schon einmal passiert.

Die Polizei weiß von solchen Ersatzteildiebstählen, kann aber nach Auskunft ihres Sprechers Andreas Bode derzeit in Münster keine Serie erkennen. Rainer Ahlers , der Obermeister der münsterischen Kfz-Innung, weiß es genauer: „Das gibt es seit fünf oder sechs Jahren – das sind oft ganz gezielte Aktionen nach Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten.“

Was kommt weg? Entweder kostbare Einzelteile wie Radkappen, Scheinwerfer oder Feinstaubfilter. Sehr beliebt seien auch Airbags („die werden mit dem Teppichmesser rausgeschnitten, dann ist das Armaturenbrett komplett defekt“) oder Rollgurte. Spektakulär sind laut Ahlers jene Partien, die bei einem Unfall in Mitleidenschaft gezogen werden: „Da fehlt schon mal ein kompletter Vorderwagen. Die sicherheitsrelevanten Teile kosten richtig Geld.“

Der Ausbau ist aufwendig und setzt viel fachmännisches Können voraus. Warum also stehlen die Diebe nicht gleich den ganzen Wagen? „Zu auffällig“, meint der Obermeister, „viele Autos sind heute schon codiert.“ Mittlerweile würden selbst gängige Einzelteile mit Farbe oder „künstlicher DNA“ codiert, um sie wieder aufspüren und zuordnen zu können.

Jan Kirchhoff hat bereits fest vorgenommen, sein Eigentum derart zu kennzeichnen und entsprechende Warnschilder aufzustellen, damit so ein Diebstahl nicht noch einmal vorkommt. Auch denkt er darüber nach, sich mit seinen Nachbarn über Einbrüche und Diebstähle auszutauschen – um vielleicht gemeinsam dagegen vorzugehen.

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