Mi., 12.03.2014

Mit Trisomie 21 im Job Ohne Umwege auf den Arbeitsmarkt

Die Küche ist  Sophie Hovestadts Arbeitsplatz. Die Arbeit beim Integrationsunternehmen Münsteraner Dienstleistungsservice mache ihr Spaß, sagt die 19-Jährige. Nach der Schule den Umweg über eine Behindertenwerkstatt zu nehmen, kam für sie daher nicht in Frage.

Die Küche ist  Sophie Hovestadts Arbeitsplatz. Die Arbeit beim Integrationsunternehmen Münsteraner Dienstleistungsservice mache ihr Spaß, sagt die 19-Jährige. Nach der Schule den Umweg über eine Behindertenwerkstatt zu nehmen, kam für sie daher nicht in Frage. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Sophie Hovestadt hat nach der Schule einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen – für sie ging es direkt auf den Arbeitsmarkt. Warum das so ungewöhnlich ist? Die 19-Jährige hat Trisomie 21 – lässt sich davon allerdings nicht vom Arbeiten abhalten.

Von Sandra Peter

Wenn sie morgens um 8 Uhr ihre Schicht beginnt, hat sie oft ein Lied auf den Lippen – Sophie Hove­stadt geht gerne zur Arbeit, das sieht man ihr an. Dass die 19-Jährige nach der Schulzeit direkt ins Arbeitsleben eingestiegen ist, ist alles andere als selbstverständlich – Sophie Hovestadt hat Trisomie 21 (früher auch Down-Syndrom genannt), eine Chromosomenveränderung, die mit unterschiedlich ausgeprägten, individuellen Beeinträchtigungen einhergeht. Für Menschen mit Trisomie 21 führt daher der übliche Weg nach der Schulzeit oft in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.

Nicht bei Sophie Hove­stadt: Seit vergangenem Herbst arbeitet sie beim Integrationsunternehmen Münsteraner Dienstleistungsservice ( MDS ) an der Gustav-Stresemann-Straße. Jeden Morgen fährt sie eine Stunde mit Bahn und Bus von Warendorf aus zu ihrem Arbeitsplatz. Die Probezeit ist schon fast vorüber, und ihr Chef Manfred Dreyer , Leiter der Bereiche Küche und Betriebsgastronomie, hat der 19-Jährigen schon jetzt in Aussicht gestellt, dass ihr zunächst auf ein Jahr befristeter Arbeitsvertrag um ein weiteres Jahr verlängert wird – um dann wahrscheinlich entfristet zu werden. Dreyer kennt Sophie Hovestadt schon von mehreren Praktika, die sie noch während der Schulzeit bei MDS absolviert hat. „Da haben wir gesehen, dass sie Potenzial hat, sehr motiviert ist.“ Es ist das erste Mal, dass MDS jemanden mit Beeinträchtigung direkt von der Schule in ein Arbeitsverhältnis übernimmt. Und auch sonst zählten diese Fälle zu den absoluten Ausnahmen, sagt Sandra Grenzer vom Integrationsfachdienst im Kreis Warendorf, die Sophie auf ihrem Weg zwischen Schule und Arbeit begleitet hat.

Die 19-Jährige hat die Freie Waldorfschule in Everswinkel besucht. Normalerweise, so Schulleiter Karl Grünewald, dauerte die Schulzeit für Sophie dort elf Jahre, für Schüler mit besonderem Förderbedarf gab es dort im Schuljahr 2011/2012 erstmalig ein zwölftes, ein sogenanntes berufspraktisches Jahr. Sophie hat die Zeit für Praktika genutzt, unter anderem bei MDS. „Es passte einfach. Ich kannte die Mitarbeiter, verstand mich auch gut mit den Chefs“, sagt die 19-Jährige. „Jetzt bin ich stolz darauf, dass ich hier bin.“ Bei MDS hat Sophie Hovestadt eine halbe Stelle, ist als Küchenhilfe angestellt. Später könnte sie aber auch in einem der drei Bistros des Catering-Unternehmens arbeiten, sagt Manfred Dreyer.

Auch die anderen Mitarbeiter profitierten: „Ihre gute Laune steckt an“, sagt Sandra Grenzer. Sie lobt das Zusammenspiel von Schule, Betrieb und Fördermöglichkeiten – ebenso wie Kristina Steffen von der LWL-Koordinierungsstelle „Schule trifft Arbeitswelt“ für behinderte Jugendliche. Wenngleich für viele Menschen mit Behinderungen die Werkstatt der richtige Platz sein könne – für Sophie Hovestadt kam der Umweg nicht in Frage.

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