Di., 01.07.2014

Die Geschichte des lateinamerikanischen Fußballs Umkämpfte Spielfelder

Dr. Alexander Kraus und Dr Stephan Ruderer (kleines Bild, v.l.) haben mit Studenten zusammen zur Weltmeisterschaft ein Buch über den Fußball in Lateinamerika herausgebracht. Im Hintegrund freuen sich die kolumbianischen Spieler und ihre Fans über ein Tor gegen die Elfenbeinküste.

Dr. Alexander Kraus und Dr. Stephan Ruderer (kleines Bild, v.l.) haben mit Studenten zusammen zur Weltmeisterschaft ein Buch über den Fußball in Lateinamerika herausgebracht. Im Hintergrund freuen sich die kolumbianischen Spieler und ihre Fans über ein Tor gegen die Elfenbeinküste. Foto: dpa/kv

Münster - 

Zwei Dozenten der Uni haben mit Studierenden ein Buch über die Geschichte des Fußballs in Lateinamerika geschrieben. „Umkämpfte Spielfelder“ lautet der Titel der Aufsatzsammlung.

Von Karin Völker

Dr. Alexander Kraus und Dr. Stephan Ruderer kennen sich vom Fußballspielen. Die beiden Wissenschaftler arbeiten auch an einem Fachbereich der Universität. Kraus leitet Seminare im Schreiblabor, wo Studierende lernen, wissenschaftliche Arbeiten verständlich und gut lesbar zu formulieren. Stephan Ruderer lehrt lateinamerikanische Geschichte.

Das Expertenwissen und das gemeinsame Fußballinteresse sind in diesem Sommersemester in ein außergewöhnliches Lehrprojekt mit handgreiflichem Ergebnis gemündet. In Rekordzeit: Die beiden Dozenten produzierten mit den Studierenden ein Buch über die Geschichte des Fußballs in Lateinamerika . „Umkämpfte Spielfelder “ lautet der Titel der Aufsatzsammlung, die sie im internationalen Zentrum „Brücke“ mit einer Lesung vorstellten.

„Es gibt viele Geschichten über den Fußball in Lateinamerika“, sagt Alexander Kraus – „aber all diese Storys sind eher Anekdoten als verbriefte Historie“. So haben sich die Studenten auf die Suche gemacht, geforscht und formuliert. Maradonas legendärer Spruch von der „Hand Gottes“ im Viertelfinale Argentinien gegen England bei der WM 1986 in Mexiko kann jetzt vor dem Hintergrund der Geschehnisse um den von Argentinien vier Jahre zuvor verlorenen Krieg um die Falkland-Inseln gegen England eingeordnet werden. Argentiniens Rache auf dem grünen Rasen ist somit nicht nur ein Stück sagenhafter Fußball – sondern auch internationale Geschichte.

Oder das denkwürdige Qualifikationsspiel zur WM 1974 in Deutschland, das im Stadion von Santiago de Chile von der chilenischen Mannschaft ohne Gegner bestritten und nach wenigen Sekunden und einem Tor wieder abgepfiffen wurde. Die Sowjetunion boykottierte 1973 nach dem Militärputsch Pinochets in Chile das Spiel und sorgte für die Kuriosität in dieser durch und durch politischen WM-Geschichte.

Schließlich der Begriff des dieser Tage immer wieder zitierten „Maracanazo“ – der Schmach der Niederlage der Brasilianer bei der Weltmeisterschaft 1950 im eigenen Stadion „Maracana“ in Rio gegen Uruguay. „Die Geschichte wird immer nur aus der Perspektive der Brasilianer erzählt“, sagt Stephan Ruderer – jetzt können Leser erfahren, was der ungewöhnliche Sieg für das kleine Land Uruguay und seinen Fußball bedeutete – abgesehen davon, dass die in Himmelblau gekleideten „Urus“ den Weltpokal mehr oder weniger inoffiziell und im Verborgenen nach dem Spiel entgegennahmen – mit Rücksicht auf die emotionalen Ausnahmezustand der Gastgeber und ihrer Zuschauer.

Für alle, die es interessiert: Mit dem Fußball Uruguays ging es danach begab – weil die Brasilianer nach dieser Niederlage den Fußball neu umstellten. Auch politisch und wirtschaftlich ging es in Uruguay, der damaligen „Schweiz Lateinamerikas“ abwärts.

Zum Thema

Weitere Lesungen finden am Freitag (4. Juli) um 20,.15 Uhr zwischen den beiden Viertelfinals und am Dienstag (8. Juli) um 20.15 Uhr vor dem ersten Halbfinale in der Kulturkneipe Frauenstraße 24 statt.

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