Interview mit Ingo Appelt
„Die deutsche Comedy ist viel zu gefällig“

Münster -

Ingo Appelt, Comedian und Kabarettist, tritt am Samstag in der Aula am Aasee auf. Im WN-Interview erzählt er, warum er mit Oliver Pocher im Clinch liegt – und wie zufrieden er mit dem Bundespräsidenten ist.

Mittwoch, 22.10.2014, 16:10 Uhr

Mit Auftritten bei „RTL Samstag Nacht“ und im „Quatsch Comedy Club“ wurde Ingo Appelt bekannt. An diesem Samstag ist der Comedian und Kabarettist in der Aula am Aasee zu Gast.
Mit Auftritten bei „RTL Samstag Nacht“ und im „Quatsch Comedy Club“ wurde Ingo Appelt bekannt. An diesem Samstag ist der Comedian und Kabarettist in der Aula am Aasee zu Gast. Foto: Peter Schaffrath

Der Komiker und Kabarettist Ingo Appelt präsentiert am Samstag (25. Oktober) sein neues Programm in der Aula am Aasee . Appelt, der unter anderem durch Auftritte bei RTL Samstag Nacht und im Quatsch Comedy Club bekannt wurde, ist für seinen bösen, zuweilen den guten Geschmack verletzenden Humor bekannt. Mit Appelt sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Appelt, Ihren ersten Auftritt als Komiker hatten Sie 1989 auf einer Veranstaltung der IG Metall . Wie kam es dazu?

Appelt: Das war der Gipfel einer Entwicklung, die schon Jahre vorher begonnen hatte. Ich stand immer wieder vor Leuten, hielt Abschiedsreden, moderierte, schließlich landete ich im Gewerkschaftskabarett. Auf der IG-Metall-Veranstaltung parodierte ich mehr als 30 Politiker, und zufällig war ein Künstleragent vor Ort.

War das Ihr Durchbruch?

Appelt: Auch danach musste ich noch jahrelang hart arbeiten und sehr viele Auftritte absolvieren. Damals war es noch nicht so, dass man ein YouTube-Video veröffentlicht und mit einem Mal bekannt ist. Fünf Jahre bin ich danach noch getingelt. Als ich später in der Kölner „Filmdose“ auftrat und jemand von RTL Samstag Nacht im Publikum saß, das war dann wirklich so eine Art Durchbruch.

Verstehe ich Sie richtig: Heute wäre es für Sie einfacher gewesen?

Appelt: Na ja, heute ist die Konkurrenz natürlich auch größer, dafür waren wir damals handwerklich besser geschult. Unser Erfolg war kein Zufallsprodukt, da wir alles von der Pike auf gelernt hatten. Den Jungs, die heute oftmals erfolgreich sind, sind wir – damit meine ich auch Kollegen wie Rüdiger Hoffmann und Michael Mittermeier – haushoch überlegen. Ich spiele Klavier, beherrsche Stand-Up, mache Kabarett.

Erst kürzlich haben Sie sich mit Oliver Pocher nach einem deftigen Witz über seine Frau wieder medienträchtig versöhnt.

Appelt: Gerade Pocher ist jemand, der unglaublich gerne gegen jeden austeilt. Dass er nach meinem Gag gleich die juristische Keule auspackte, hätte ich nicht gedacht. Das war einfach nur albern. Dabei kenne ich ihn schon lange. Er war sogar mal Appelt-Fan!

Aber vielleicht sind Sie ja einfach über das Ziel hinausgeschossen?

Appelt: Schauen Sie sich die Komiker in den USA oder Großbritannien an, deren Humor ist viel heftiger als in Deutschland. Hierzulande bin ich immer wieder erschrocken, wer sich so alles aufregt. Wobei sich nie die Leute beschweren, die Zielgruppe der Pointen sind. Mal denke ich: Jetzt sind die Rentner beleidigt. Und dann beschwert sich der CDU-Landfrauenverband.

Können Sie denn auch einstecken?

Appelt: Mich kann kein Comedy-Künstler mehr überraschen. Ich kenne die alle persönlich, kenne jeden Witz und jede Masche.

Über wen können Sie denn lachen?

Appelt: Markus Krebs. Und Dieter Nuhr. Sogar über Mario Barth. Sein interaktiver Umgang mit dem Publikum begeistert mich.

Und wen finden Sie gar nicht lustig?

Appelt: Eckhard von Hirschhausen. Der nimmt sich manchmal so ernst. Er wäre vielleicht besser Arzt geblieben.

Sie sind SPD-Mitglied, waren 2012 Mitglied der Bundesversammlung, die Gauck zum Präsidenten wählte. Sind Sie mit ihm zufrieden?

Appelt: Er ist mir zurzeit zu wenig präsent. Ich war davon ausgegangen, dass er eher ein Volkspräsident sein wird, einer, der für mehr Unterhaltung sorgt, ein Mittler zwischen Politik und Volk. Stattdessen ist er sehr zurückhaltend. Das muss ich nun selbst machen.

Kennen Sie bei Ihrem Humor eigentlich Grenzen?

Appelt: Das kann ich so nicht sagen. Natürlich gibt es Themen wie Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch, die sich nicht für das Kabarett eignen. Weil es Themen sind, bei denen es keinerlei positive Aspekte gibt.

Bereuen Sie den ein oder anderen Witz?

Appelt: In Deutschland ist die Comedy sehr gefällig und auf Mainstream angelegt. Während Barth in vollen Arenen auftritt, stehen viele andere auf kleinen Bühnen. Da ärgert es mich schon manchmal, dass ich vor einigen Jahren sehr über die Stränge geschlagen habe. Aber trotzdem bin ich mit der aktuellen Situation nicht unzufrieden.

Vor Ihrer Kabarett-Karriere absolvierten Sie eine Lehre als Maschinenschlosser. Was ist von damals geblieben?

Appelt: Ich kann Waschmaschinen reparieren, Betten für Kinder zusammenschrauben, unsere richtig schwere Küchenmaschine bedienen. Als ich mit 15 beim Arbeitsamt einen Test machte, für welchen Job ich geeignet bin, kam Koch heraus. Kochen mit schweren Materialien, da bin ich in meinem Element.

Zum Thema

Samstag, 20 Uhr, Aula am Aasee, Scharnhorststraße 100.

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