Interview mit Gernot Hassknecht
„Der Bundestag ist pingelig“

Münster -

Mit der Figur des Gernot Hassknecht, dessen Wutausbrüche in der ZDF-„heute-show“ Kult-Status genießen, hat der Schauspieler Hans-Joachim Heist seine Paraderolle gefunden. Im Februar ist er mit seinem Programm „Das Hassknecht-Prinzip – In zwölf Stunden zum Choleriker“ in der Aula am Aasee zu Gast. Mit Heist sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Freitag, 24.10.2014, 05:10 Uhr

Isis, der Ukraine-Krieg, die Ebola-Seuche – keine Themen, zu denen einem spontan Witze einfallen. War 2014 ein schlechtes Jahr für die Satire?

Heist : Na ja, wir haben immerhin die Große Koalition. Sicher, einige Themen sind weggefallen – zum Beispiel die FDP. Aber dafür gibt es jetzt die AfD . Aber Sie haben recht, was in der Welt sonst so passiert ist, das war nicht so schön. Hassknecht würde sagen: „Was spielt meine Enkelin da für gewalttätige Videospiele!“ Dabei schaut sie nur die Tagesschau. . .

Und was sagt Hans-Joachim Heist?

Heist: Ich bin ein Nachrichten-Junkie, schaue jeden Tag Tagesschau und Heute-Journal, lese zwei Zeitungen. Ich gebe mir also die volle Nachrichten-Dröhnung. Das war in diesem Jahr tatsächlich hart.

Vieles von dem, was 2014 geschah, scheint nicht für die Satire geeignet.

Heist: Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: „Satire darf alles.“ Doch ich bin da anderer Meinung. Bei menschenverachtenden Ereignissen muss man zum Beispiel sehr vorsichtig sein.

Kürzlich haben Sie sich über den Hype um das neue Kohl-Buch lustig gemacht!

Heist: Kohl ist ja immer für einen Gag gut. Dabei habe ich mich ja gar nicht über Kohl lustig gemacht, sondern über Heribert Schwan, der dieses Buch geschrieben hat und ihn zwei Jahre in seinem Keller interviewte. Nebenbei: In der Verfilmung von Kohls Biografie habe ich Norbert Blüm gespielt.

Sind Sie danach Blüm begegnet?

Heist: Leider nicht. Dabei könnten wir uns doch gut auf Augenhöhe unterhalten.

Was war für Sie persönlich das Highlight des Jahres?

Heist: Dass mein Bühnenprogramm, das auch in Münster zu sehen sein wird, vom Fernsehen aufgezeichnet und gesendet wird.

Und aus Sicht des Satirikers?

Heist: Dass die AfD so enorm zugelegt hat, darüber kann ich mich kolossal aufregen. Und dann: Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin. Ein sehr ergiebiges Thema, einfach großartig. Als „Flinten-Uschi“ hat sie es ja bereits in mein Programm geschafft.

Was erwarten Sie von 2015?

Heist: Dass in der Großen Koalition der Kuschelkurs zwischen CDU und SPD zu Ende geht und richtig gestritten wird.

Der Bundestag hat der „ heute-show “ soeben ein Drehverbot erteilt. Wie finden Sie das?

Heist: Das ist nicht nachvollziehbar, eine Riesensauerei. Das zeigt einmal mehr, dass die parlamentarische Demokratie in Deutschland an einem Tiefpunkt angelangt ist. Bei Anfragen sitzen nur noch ein paar Abgeordnete im Plenum – das geht einfach nicht.

Hat der Bundestag Angst, dass die „heute-show“ den Finger in solche Wunden legt?

Heist: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum die bei uns so pingelig sind. Vielleicht haben sie ja einfach nur Angst, dass sie verarscht werden.

Worüber haben Sie sich zuletzt privat so richtig aufgeregt?

Heist: Ich bin momentan wegen der Tournee viel mit dem Auto unterwegs, und dabei rege ich mich so richtig auf. Ich habe das Gefühl, dass nur Idioten auf den Straßen unterwegs sind – und dass es überall Baustellen gibt.

Wenn Sie endlich das Ziel erreicht haben – wie kommen Sie dann wieder runter?

Heist: Ich gehe ins Hotel und schlafe eine halbe Stunde. Danach geht es mir wieder gut.

Zum Thema

Der Auftritt am 20. Februar in der Aula am Aasee ist um 20 Uhr.

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