Pointen mit Selbstbeherrschung
Interview mit Rüdiger Hoffmann

Münster -

Berühmt ist Rüdiger Hoffmann wegen seiner wiederkehrenden Phrase: „Ja, hallo erst mal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten...“ Pointen trägt der Kabarettist mit emotionaler Selbstbeherrschung vor. Mit seinem aktuellen Programm „Aprikosenmarmelade“ kommt der gebürtige Paderborner nach Münster. Unser Redakteur Carsten Vogel hat vorab mit ihm gesprochen.

Dienstag, 04.11.2014, 13:11 Uhr

„Die Entdeckung der Langsamkeit“: So kennen ihn seine Fans. Rüdiger Hoffmann sitzt auf seinem obligatorischen Stuhl und erzählt pointierte Geschichten aus dem Alltag.
„Die Entdeckung der Langsamkeit“: So kennen ihn seine Fans. Rüdiger Hoffmann sitzt auf seinem obligatorischen Stuhl und erzählt pointierte Geschichten aus dem Alltag. Foto: Det Kempke

Wie ist es, plötzlich in der ersten Liga zu spielen?

Hoffmann : Super (lacht). Der Hammer. Dann auch mal für einige Zeit auf Platz eins zu sein, ist unglaublich.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen Unterschied zwischen Kabarettisten und Comedians?

Hoffmann: Ein Kabarettist sollte ein guter Comedian sein. Er muss lustig sein, das komödiantische Talent gehört dazu, was nicht bei allen Kabarettisten der Fall ist. Tatsächlich mache ich aber Stand-up-Comedy. Das Fach habe ich in Deutschland ja fast selbst mitgegründet. Der Begriff ist weiter gefasst: Man erzählt aus dem Leben, aus dem Alltag und ist nicht auf das Politische abonniert.

Was unterscheidet Ihren Humor von denen anderer Comedians?

Hoffmann: (holt tief Luft) Es ist immer schwer über seinen eigenen Humor zu sprechen. Es ist auf jeden Fall ein westfälischer Humor, staubtrocken und auch ein Understatement-Humor. Im Prinzip geht es in die britische Richtung.

Wie sehen Sie den Comedy-Nachwuchs?

Hoffmann: Ich sehe leider nicht so unfassbar viele Sterne am Talent-Himmel. Aber hier und da leuchtet schon mal einer auf.

Haben Sie bereits als Kind überall gezielt hingeschaut?

Hoffmann: Ich glaube, diese Beobachtungsgabe hat man oder man hat sie nicht. Man muss eine gewisse Sensibilität besitzen. Bei mir ist es wie ein Automatismus: Ich höre etwas in der Stadt, was ich dann in meinem Programm verarbeite.

Wie muss man sich das vorstellen? Bei einer Band ist es klar. AC/DC haben ein Repertoire von 23 Songs einstudiert und spielen die auf ihrer Tour. Wie ist das bei einem Comedian?

Hoffmann: Im Zugabenteil spiele ich die Klassiker, im Programm selbst nagelneue Geschichten. Die Zuschauer wollen neue Sachen hören.

 

Könnten Sie ad hoc etwas aus ihrem ersten Programm „Der Hauptgewinner“ bringen?

Hoffmann: Doch, doch. Das könnte ich wahrscheinlich schon. „Den Mitbewohner“ bekäme ich wohl auf die Reihe.

Ich glaube, Mick Jagger hat mal gesagt, er brauche keine Spickzettel, denn die von ihm geschriebenen Texte habe er im Kopf.

Hoffmann: Das ist Übungssache. Wenn man ältere Sachen einmal durchliest, hat man sie schnell wieder parat. Das ist alles gespeichert. Aber alle zehn Programme auswendig? Das wäre schon übertrieben.

Passen Sie die alten Nummern heutigen Gegebenheiten und Entwicklungen entsprechend an?

Hoffmann: Nö, die Klassiker braucht man eigentlich nicht zu aktualisieren.

Kartenvorverkauf

Karten für die Show mit Rüdiger Hofmann in Münster am Samstag, den 13. Dezember, 20 Uhr, im Congress-Saal der Halle Münsterland gibt es an im WN-Ticketshop am Prinzipalmarkt.

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Könnten Sie mit Themen wie „Grauer Star“ auch in ihrem Programm humorvoll umgehen?

Hoffmann: Das mit dem „Grauen Star“ habe ich nur einmal im Fernsehen gesagt. Ich bin nicht der Typ, der sein Privatleben in die Öffentlichkeit trägt. Meine Frau hat gesagt, ich solle das ruhig tun, um Leuten, die selbst darunter leiden, Mut zu machen. Abgesehen davon engagiere ich mich für die Christoffel-Blindenmission . Aber letztlich war es eine einmalige Geschichte, die ich nicht im Programm unterbringen würde. Wobei ich es mit dem Programm insofern verbunden habe, als dass die Leute Aprikosenmarmelade kaufen können und der gesamte Erlös an die Christoffel-Blindenmission geht.

Gibt es Tabu-Themen für Sie?

Hoffmann: Ich würde mich nicht über Minderheiten erheben oder über sie lustig machen. Religion ist auch ein Thema, bei dem man leicht einen raushauen könnte, aber man verletzt die Gefühle von Menschen, die gläubig sind. Ich finde, das muss man respektieren.

Wie ist es mit Politik?

Hoffmann: Politik kann man kritisieren. Klar.

Sie sind aber trotzdem eher gesellschafts...

Hoffmann: ...kritisch. Ja. Es gibt Nummern von mir, die sich politischen Themen nähern. Es hängt davon ab, ob mich etwas ärgert oder herausfordert. Als ich vor kurzem in der Talkshow von Markus Lanz gewesen bin, war auch ein Fotograf da, der in Tschernobyl gewesen ist. An die Zeit erinnere ich mich gut: Damals habe ich auch eine Nummer über Atomkraft geschrieben, die sehr hart war. Oder als damals die Asylantenheime brannten, habe ich die Nummer der „Anonymen Ausländerfeinde“ geschrieben. Wenn ich aber schon zwei oder drei Nummern über Ausländerfeindlichkeit geschrieben habe, dann brauche ich keine vierte mehr.

Sie sind aber kein Parteimitglied?

Hoffmann: Nee, nee.

Wie wichtig ist der Einfluss Ihrer Familie auf das Programm?

Hoffmann: Meine Frau teilt meinen Humor. Sie bekommt eine heimische Vorpremiere und hört sich allein das komplette Programm an (lacht). An ihren Reaktionen merke ich dann auch, ob es funktioniert oder nicht.

Können Sie auch über sich selbst lachen?

Hoffmann: Ich glaube, da habe ich genug Humor. Wenn es lustig ist, dann kann ich darüber lachen. Wenn nicht, dann auch nicht.

Was ist der beste Trick für Sie, abzuschalten?

Hoffmann: Oh (kurze Pause). Laufen auf dem Laufband. In die Sauna oder in den Whirlpool gehen. Badewanne. Massagen habe ich auch sehr gerne. Da kann ich gut abspannen.

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