Momente, die unter die Haut gehen
Karlhans Dülberg hat als Zeitzeuge historisches Filmmaterial bereichert

Münster -

Er hat auf Münsters Trümmern gespielt und unter Lebensgefahr Holz und Kohlen aus Kellern eingestürzter Häuser geholt. Er kennt die Stadt in Schutt und Asche. Und er hat den Wiederaufbau seiner Heimat erlebt, hat gesehen, wie Stein auf Stein Häuser und Giebel am Prinzipalmarkt der Innenstadt ihren alten Charme zurückerhalten haben. Mit anderen Worten: Er ist ein echter Zeitzeuge.

Montag, 29.12.2014, 09:12 Uhr

Alte Erinnerungen hegen und pflegen: Das ist Karlhans Dülberg wichtig. In der Filmtrilogie „WN blickt zurück“ hat er per Zufall Ausschnitte entdeckt, die seinen Vater zeigen.
Alte Erinnerungen hegen und pflegen: Das ist Karlhans Dülberg wichtig. In der Filmtrilogie „WN blickt zurück“ hat er per Zufall Ausschnitte entdeckt, die seinen Vater zeigen. Foto: Wilfried Gerharz

Kein Wunder also, dass Karlhans Dülberg sich angesprochen fühlte, als unsere Zeitung genau diese sucht: Zeitzeugen. Menschen, die erzählen können, was sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Münster erlebt haben. Die vielleicht sogar alte Filme und Fotos besitzen, um ihre Erinnerungen zu untermalen.

Viele melden sich, fühlen sich angesprochen, möchten ihren Teil dazu beitragen, dass Münsters Historie lebendig bleibt. Karlhans Dülberg auch. Was er nicht unbedingt erwartet: dass er, der 1936 geboren wurde, in diesen Filmen völlig unerwartet Ausschnitte und Sequenzen sieht, die ihn total überraschen – und die ihm sehr unter die Haut gehen. Er, Münsters Stadtprinz vor bald 25 Jahren, erblickt im zweiten Teil der Film-Trilogie „WN blickt zurück“ völlig unverhofft seinen Vater Karl Dülberg unter dem bunten Stadtfähnchen-Himmel auf dem Prinzipalmarkt beim Rosenmontagstrubel im Jahr 1938.

„Das hat mich umgehauen“, gibt der 78-Jährige offen zu. Das sei „sehr emotional“ gewesen. Natürlich hat er selbst alte Fotos, die seinen Vater und ebenso noch den Großvater Carl Dülberg zeigen. Beides Vollblut-Karnevalisten, die auch ihm sein närrisches Gen quasi in die Wiege gelegt haben. Diese historischen Fotos hütet er wie einen Schatz und passt auf, dass sie nicht verloren gehen. „Aber Filmausschnitte sind noch mal was ganz anderes. Ich sitze da in meinem Wohnzimmer, schaue mir die DVD an und erkenne völlig unverhofft meinen Vater in seiner Kommandanten-Uniform der Stadtwache auf dem Prinzipalmarkt. Ich habe richtig aufgeschrien“, beschreibt er den für ihn sehr bewegenden Moment. Denn sein Vater ist im Jahr nach diesem Rosenmontag eingezogen worden und 1945 tödlich verunglückt.

Karlhans Dülberg selbst tritt bei den Filmen „WN blickt zurück“ als Zeitzeuge auf, wird eingeblendet, erzählt seine persönlichen Erinnerungen und Geschichten. Und die sind so umfangreich, dass die Filmemacher schlicht begeistert sind: „Mit Ihnen allein könnten wir ja schon einen Film bestreiten“, sagt einer.

Karlhans Dülberg freut sich schon auf den 11. Januar, auf die Premiere des dritten Teils der Filmtrilogie, die er insgesamt für „absolut gelungen und einzigartig“ hält. Er habe sie schon häufig verschenkt: „Und das werde ich ganz bestimmt noch öfter tun.“

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