Mi., 04.02.2015

Frauengruppe will „Hexen“ rehabilitieren Frieden nach vier Jahrhunderten

Seit über 20 Jahren erinnert die Greta-Bünichmann-Straße an die Hexenverfolgungen in Münster. Eine Frauengruppe fordert die Rehabilitation der getöteten Frauen.

Seit über 20 Jahren erinnert die Greta-Bünichmann-Straße an die Hexenverfolgungen in Münster. Eine Frauengruppe fordert die Rehabilitation der getöteten Frauen. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Per Bürgerantrag, der am 11. Februar im Rat der Stadt Münster eingebracht werden soll, möchte die Arbeitsgruppe Frauengeschichte die Rehabilitation der münsterischen „Hexen“ erreichen. Zwischen 1552 und 1646 wurden 41 Menschen angeklagt, sechs Frauen wurden hingerichtet, drei starben unter der Folter.

Von Klaus Baumeister

2018 findet der 101. Deutsche Katholikentag in Münster statt. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe Frauengeschichte sollte bis dahin ein Makel der münsterischen (Kirchen-)Geschichte getilgt sein. Konkret: In einem Bürgerantrag fordert die Gruppe die offizielle Rehabilitation von 41 Frauen, die zwischen 1552 und 1646 in Münster als „ Hexen “ angeklagt wurden. Sechs von ihnen wurden hingerichtet, so die Arbeitsgruppe, drei zu Tode gefoltert.

„Zahlreiche Städte sind diesen Weg bereits gegangen“, verweist Anne Neugebauer von der Arbeitsgruppe auf die Städte Dortmund, Witten, Datteln, Soest, Detmold und Köln.

Auch wenn die Stadt Münster nicht unmittelbar „Rechtsnachfolgerin der damals politisch und kirchlich Verantwortlichen“ sei, heißt es in dem Bürgerantrag, so bestehe doch „eine ethische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien“.

Darüber hinaus regt die Arbeitsgruppe an, an „zen­traler Stelle“ in der Stadt ein Mahnmal zur Erinnerung an die verfolgten Frauen aufzustellen.

Enge Verbindungen pflegt die Arbeitsgruppe zu der Ratsfraktion der Grünen. Die GAL-Ratsfrau Dr. Didem Ozan hält es angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte für erforderlich, dieser Form des „Fremdenhasses“ nachzugehen. Ozan verweist auf Recherchen einer Historikerin, wonach „die in Münster getöteten Frauen Zugewanderte waren“.

Das politische Prozedere sieht vor, dass der Antrag in der Ratssitzung am 11. Februar eingebracht wird und dann an die Stadtverwaltung verwiesen wird, um eine Stellungnahme zu erarbeiten. Diese wandert dann zurück in die politischen Gremien.

Schon mehrfach hat das Thema Hexenverfolgung das Rathaus erreicht. 2011 beschäftigte sich der Ältestenrat der Stadt damit, nachdem Schüler des Gievenbecker Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums zu den historischen Vorgängen geforscht hatten und in einem Brief an Oberbürgermeister Markus Lewe eine Rehabilitation forderten.

Im Baugebiet „Zum Guten Hirten“ in Mauritz gibt es eine Straße, die 1994 nach Greta Bünichmann, einer der hingerichteten Frauen, benannt wurde. Im Zusammenhang mit der Namensgebung gab es eine heftige öffentliche Debatte, weil Anwohner befürchteten, als Bewohner des „Hexenviertels“ gebrandmarkt zu werden.

Druck kam auch von der Pfarrgemeinde St. Mauritz, die den verstorbenen Pfarrer Bernhard Aumöller als Namensgeber der Straße favorisierte. Die Bezirksvertretung Mitte setzte aber die Greta-Bünichmann-Straße durch.

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