Do., 12.03.2015

Narkolepsie-Experten tagen in Münster Wenn Schlaf zur Krankheit wird

Eine medizinische Fachangestellte befestigt in einem Schlaflabor im Universitätsklinikum Münster Elektroden am Kopf eines Narkolepsie-Patienten. In Deutschland lassen sich nach Aussage von Prof. Dr. Peter Young (kl. Foto), Direktor der Universitätsklinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen, etwa 20 000 Menschen wegen Narkolepsie behandeln.

Eine medizinische Fachangestellte befestigt in einem Schlaflabor im Universitätsklinikum Münster Elektroden am Kopf eines Narkolepsie-Patienten. In Deutschland lassen sich nach Aussage von Prof. Dr. Peter Young (kl. Foto), Direktor der Universitätsklinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen, etwa 20 000 Menschen wegen Narkolepsie behandeln. Foto: dpa

Münster - 

Der Schlaf überfällt Betroffene – und sie sind machtlos: Narkolepsie nennt sich diese Erkrankung, über die sich Experten aus ganz Europa am Wochenende austauschen.

Von Martina Döbbe

Frisch verliebt. Das erste Rendezvous. Und mitten im Date schläft einer von beiden ein. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und wenn das passiert, dann sollten alle Alarmglocken schrillen. „Schlafsucht“ heißt das Stichwort, Mediziner nennen es Narkolepsie. Gemeint ist eine Erkrankung , deren Ursachen so gut wie unbekannt sind – und die für Betroffene zum gefährlichen Hürdenlauf im ganz normalen Alltag werden kann.

„Autofahren? Bedienen von Geräten und Maschinen? Ein großes Risiko“, warnt Prof. Dr. Peter Young . Er ist Direktor der Universitätsklinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen in Münster , einem der wenigen Zentren in Deutschland , das sich mit Narkolepsie schwerpunktmäßig beschäftigt. Am Wochenende ist Münster internationaler Treffpunkt auf diesem Gebiet. Und das Besondere: Neben zahlreichen Wissenschaftlern, Forschern und Medizinern kommen nahezu aus dem gesamten europäischen Ausland betroffene Patienten, um sich mit Fachleuten auszutauschen, um dieser Krankheit besser auf die Spur zu kommen, um sich kennenzulernen und über Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen und sich zu helfen. Es ist der erste Patienten-Arzt-Dialog dieser Art, berichtet Prof. Young, der jährlich etwa 60 Patienten mit Narkolepsie behandelt. Und jedes Jahr kommen etwa 15 bis 20 Neuerkrankungen dazu, informiert er. Es sei eine seltene, aber gravierende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen komplett auf den Kopf stelle.

Ein erstes Problem: Manchmal dauere es Jahre, bis die Diagnose überhaupt feststehe. Schläft jemand tagsüber ein, dann höre er oft den Rat: „ Schlaf mal mehr, schlaf dich aus.“ Doch in Wirklichkeit seien die Menschen absolut ausgeschlafen, sie müssten keinen Schlaf nachholen. „Er überfällt sie praktisch innerhalb von Sekunden und sie können sich nicht wehren“, erläutert er.

Noch rätselt die Medizin, was dahinter steckt: Es könnten entzündliche Veränderungen im Gehirn sein, aber auch eine genetische Ursache könne eine Rolle spielen. Behandelt wird die Narkolepsie, die vor allem bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren auftritt, mit Medikamenten. Und das ein Leben lang.

Eine andere Form innerhalb des Krankheitsbildes ist der Lachschlag: „Menschen, die sich freuen, die etwas Positives erleben, kippen in dem Moment in sich zusammen, rutschen vom Stuhl, sind dabei aber bei vollem Bewusstsein“, erläutert der Mediziner. Auch hier suche man nach Ursachen, um Betroffenen besser helfen zu können. Wichtig ist ihm eins: „Über diese unbekannte Krankheit zu informieren, darüber aufzuklären und diejenigen, die noch nicht in Behandlung sind, zu einem Arztbesuch zu ermutigen.“ Den Medizinern ist bewusst: „Es gibt in Deutschland etwa 20 000 Narkolepsie-Patienten, die in Behandlung sind. Die Dunkelziffer liegt deutlich darüber.“

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