Do., 26.03.2015

Rat lehnt nach emotionaler Debatte Barzuschuss ab Katholikentag-Gegner unbeeindruckt von Lewes „merkwürdiger Drohung“

Oberbürgermeister Markus Lewe richtete einen eindringlichen Appell an den Rat, den geforderten Zuschuss zu bewilligen. Vergeblich.

Oberbürgermeister Markus Lewe richtete einen eindringlichen Appell an den Rat, den geforderten Zuschuss zu bewilligen. Vergeblich. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Im Rat der Stadt Münster tobte am Mittwochabend eine emotionale Debatte. Am Ende wurde ein Barzuschuss für den 2018 geplanten Katholikentag abgelehnt. Dabei hatte Oberbürgermeister Lewe nichts unversucht gelassen. Rüdiger Sagel von der Linkspartei witterte gar eine „merkwürdige Drohung“.

Von Martin Kalitschke

Mit einem eindringlichen Appell versucht der Oberbürgermeister kurz vor der Abstimmung, den Ratsmitgliedern doch noch die Zustimmung für einen Barzuschuss zum 2018 geplanten Katholikentag abzuringen. „Ich meine es sehr, sehr ernst“, sagt Markus Lewe . Entscheide sich der Rat gegen die von der Verwaltung vorgeschlagenen 1,2 Millionen Euro, „dann habe ich die Sorge, dass manche Dinge in der nationalen Wahrnehmung falsch verstanden werden.“

Der Appell des Katholikentag-Unterstützers kommt beim Katholikentag-Gegner Rüdiger Sagel (Linke) als „merkwürdige Drohung“ an. Doch auch SPD und Grüne lassen sich nicht von Lewe beeindrucken. Gemeinsam votieren deren Ratsvertreter gegen den vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beantragten Zuschuss. Die Verwaltung soll stattdessen bis zur nächsten Ratssitzung mit dem ZdK klären, wie eine kommunale Unterstützung auch durch Sachleistungen erfolgen kann. Lewe lässt bereits am Mittwochabend durchblicken, dass dies „nicht durchführbar“ sei, man kenne das Programm des Katholikentages doch noch gar nicht.

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Der Katholikentag hat einen enormen Wert für die Stadt.

Karin Reismann (CDU)

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Wie und in welchem Umfang der geplante Katholikentag von der Stadt unterstützt wird, bleibt damit weiterhin völlig unklar.

Der Ratsabstimmung war eine zweistündige, phasenweise emotionale Debatte vorausgegangen. Während Vertreter von SPD, Grünen, Linkspartei und FDP betonten, dass das verschuldete Münster das Geld einfach nicht habe, meinte CDU-Fraktionschef Stefan Weber, bei den Zuschuss-Gegnern eine grundsätzliche Religions- und Kirchenfeindlichkeit festzustellen – wogegen sich die andere Seite wiederum verwahrte. Rüdiger Sagel (Linke) berief sich bei seiner ablehnenden Haltung auf die Trennung von Kirche und Staat, Otto Reiners (Grüne) stellte klar, dass man für den Kirchentag sei, aber es bei der Bezuschussung keinen Automatismus geben dürfe.

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Eine Verschuldung kommt nicht in Frage.

Michael Jung (SPD)

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Stefan Weber unterstellte Gegnern eines Zuschusses, dass es ihnen egal sei, ob der Katholikentag in Münster stattfindet oder nicht. Nein, entgegnete Michael Jung (SPD), man freue sich auf den Kirchentag – aber es sei nicht zu verantworten, dass Münster Schulden aufnehme, um einen Katholikentag zu finanzieren. Immerhin: „Heute wird nicht die Tür zugeschlagen“, so Jung.

Der Diözesanbeauftragte des Bistums für den Katholikentag reagierte prompt. Die Entscheidung sei „unverständlich“, so Dr, Klaus Winterkamp. Dass der Rat stattdessen Sachleistungen zur Verfügung stellen will, sei aber „immerhin besser als nichts“.

 

Kommentar zum Thema: Katholikentag-Debatte ist eine Farce

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